Von Franz Heitgres

Verwaltung und öffentliche Meinung sind zwei Dinge, die nicht voneinander zu trennen sind. Und doch werden die Probleme, die einer gemeinsamen Lösung harren, fast immer von diesen beiden Seiten grundverschieden betrachtet und somit auch beantwortet.

Die öffentliche Meinung sieht in der Verwaltung, in ihrer Leitung und in jedem einzelnen ausführenden Beamten und Angestellten einen Apparat, in dem alle persönlichen Wünsche alle die Fragen des Wohlergehens, somit auch alle sozialen Probleme erstickt werden. Die Verwaltung seine vergleicht die Wünsche des einzelnen und seine Anträge allzu leicht mit unnützem Ballast für eigenen Arbeit. Aber ist die Verwaltung nicht für die Öffentlichkeit da? Um den guten Einklang zu finden, muß jeder beachten, daß der ausführende kleine Angestellte am Kämpfer oder im Fürsorgezimmer der Träger und Kämpfer für das Interesse des einzelnen sein soll und muß. Je höher aber die Verantwortung des Verwaltungsinteressen aller mehr hat er sich um die Gesamtinteressen aller zu kümmern. Somit hat der politisch führende Dezernent eben nur Verantwortung für zu System, denn er sein die Beauftragter den das System, mit dem sein unterer Beauftragter den Wunsch des Mitbürgers in Einklang zur Gesamtlage und zu den Forderungen der Gemeinschaft bringt.

Es ist eine historische Wahrheit, daß sich nach eines Niederlage die nationale Empfindlichkeit eines Volkes bedeutend steigert. Da nun weder die Alliierten noch wir interessiert sind, gemein-Spannungen zu erzeugen, Und wir nur das gemeinsame Ziel haben, das regieren Volk demokratisch denken, handeln und regieren zu lehren, muß die Besatzungsmacht, bei den unteilbaren Frieden verwirklichen will, bei aller Kontrolle und Überwachungspflicht ihrerseits weitgehendst die Verantwortung und Entscheidung zuverlässigen antifaschistischen, demokratischen Kräften in Deutschland selbst übertragen, und zwar meines Erachtens je eher und vollständiger,- desto besser und erfolgreicher.

Den Einwand, die Besatzungsmacht hätte kein Vertrauen zu den Deutschen, da sie ja in der Vergangenheit versagt hätten, kann ich nicht anerkennen. Mit einem jetzt vorhandenen großen Verwaltungsapparat muß sie schon heute im guten Vertrauensverhältnis zusammenarbeiten, entscheidend ist doch, daß diese Verwaltung eine gegenseitige Kontrollmöglichkeit auf allen Gebieten besitzt. Und hier hat die positive Kritik einzusetzen. Es wird oftmals allgemeine Klage Beispiele doch kommt es darauf an, stets konkrete Beispiele aufzuzeigen. damit der Hebel zur Verbesserung angelegt werden kann. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß auch hierbei manche positive Kritiker vielfach versagten, da sie Meldungen bei den deutschen Dienststellen oder auch bei der Militärregierung einreichten und dann nie wieder etwas erfuhren; zugleich aber auch der Mißstand nicht geändert wurde.

In diesen Fragen kann und muß der Einfluß der politischen Parteien wesentlich verstärkt werden; er kann aber nur zu Erfolgen führen, wenn die Parteien die demokratische Staatsform nicht zu einem Instrument des Kampfes gegeneinander, sondern zum Wettstreit miteinander für das Wohlergehen des Volkes benutzen. Gerade in diesen kritischen fragen muß ein Verständnis zwischen den Parteien erzielt werden, gemeinsame Ausschüsse müssen zu einheitlichen Beschlüssen kommen, und die Presse hat ihren Teil dazu beizutragen, damit aus dieser Kritik die Besatzungsmacht erkennen kann, wo ihre Fehler in der Beurteilung deutscher Fragen liegen. Dieser Erkenntnis wird dann auch die notwendige Änderung folgen, da sie das Ergebnis der gemeinsamen Kritik aller deutschen Parteien wäre und somit die weitere Arbeit immer mehr ein planmäßig gefügtes Gesicht erhalten wird.

Wir haben heute ein Vakuum auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet in einem noch nie dagewesenen Maße. Der Neuaufbau muß darum planmäßig erfolgen. Wie können aber deutsche Verwaltungsstellen Pläne aufstellen und praktisch an die Arbeit gehen, wenn sie nicht darüber orientiert sind, welche Demontagen noch zu erwarten sind? Die politischen Parteien kennen die Härte der Potsdamer Bestimmungen, aber sie .müssen auch wissen, in welcher Form und in welchem Zeitraum die festgelegten Bestimmungen zur Durchführung gelangen. Es ist nur von geringem Nutzen, wenn einzelne Sachbearbeiter über die in ihrem Ressort liegenden Dinge orientiert werden, während die gesamte Verwaltung um die geplanten Maßnahmen nichts weiß.