Die Pariser Konferenz von 1946", wie der offizielle Name der Friedenskonferenz jetzt lautet, wurde am Montag mit einer Rede des französischen Außenministers Bidault eröffnet, der einstimmig zum Präsidenten gewählt worden ist. Die britische Delegation von etwa 200 Personen wird nicht wie vorgesehen von Außenminister Bevin geführt, sondern, da dieser erkrankte, von Premierminister Attlee. Die russische Abordnung ist mit ihren 300 Mitgliedern die zahlenmäßig stärkste. Nachdem die Teilnehmer sich auf eine Geschäftsordnung geeinigt hatten, wurden die einzelnen Texte der Vertragsentwürfe veröffentlicht.

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Die britische und die amerikanische Besatzungszone Deutschlands werden zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammengefaßt, gab Staatsminister Noel Baker im Unterhaus bekannt. Beratungen über eine gemeinsame Handhabung von Landwirtschaft, Handel und Industrie sind im Gange. Dies ist der erste Schritt zur Verwirklichung der Potsdamer Beschlüsse, die wirtschaftliche Einheit Deutschlands herzustellen, und man hofft, daß sich die beiden anderen Zonen diesem Schritt bald anschließen werden.

Frankreich sei mit einer Verwaltung Deutschlands als wirtschaftliche Einheit unter der Kontrolle einer zentralen alliierten Behörde einverstanden, erklärte der französische Außenminister Bidault in einer Rede anläßlich einer Kundgebung der Widerstandsbewegung am Vorabend der Pariser Konferenz. Das Saargebiet nahm er dabei aus. Am gleichen Tage erklärte General de Gaulle in Bar le Duc, "Frankreich ist verpflichtet, sich jedem Versuch zu widersetzen, Deutschland wieder zu einem starken und einheitlichen Staat zu machen." Er traf für ein föderalistisches Deutschland mit den Grenzen an Rhein und Oder ein.

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Eine föderalistische Teilung Palästinas in jüdische und arabische Provinzen hat die angloamerikanische Palästina-Kommission vorgeschlagen. Die britische Regierung hat die arabischen Staaten und Vertreter der Juden zu einer "Round Table Conference" nach London eingeladen, die möglichst vor Beginn der UNO-Vollversammlung im September beendet sein soll. – Die gegenwärtige Lage in Palästina wird nicht auf die Tagesordnung der UNO-Vollversammlung kommen, wie Ägypten gefordert hatte. Ein Weißbuch über die Vorgänge in Palästina, die in dem Sprengstoffanschlag auf das britische Hauptquartier gipfelten, wurde jetzt von der britischen Regierung veröffentlicht. Die Echtheit der darin zitierten Dokumente wurde jedoch von dem Sprecher der "Jewish Agency" bezweifelt, die ihrerseits die Herausgabe eines Schwarzbuches zur Klärung der Ereignisse ankündigt.

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