Die Situation an den deutschen Wertpapiermärkten hat sich in der letzten Woche nicht wesentlich verändert. Kleinere Rückschläge bei insgesamt leicht nach oben gerichtetem Trend waren das Hauptmerkmal. Die Zahl der gehandelten Aktien und die Umsatzsumme sind leicht gestiegen. Eine unmittelbare Reaktion auf die geplante Westzonenvereinheitlichung war nicht festzustellen. Der Zusammenschluß wird zwar allgemein günstig beurteilt, doch dürfte eine regelmäßige Arbitrage mit den süddeutchen Plätzen in Hamburg auch einen Abbau der bisher im Vergleich mit Frankfurt immer noch leicht überhöhten Kurse mit sich bringen.

Hamburg hat jetzt das erste Jahr seit der Wiedereröffnung seines Börsenverkehrs hinter sich. Es ist nach dem Ausfall Berlins zum größten Börsenplatz Deutschlands avanciert – in einem Sinne allerdings, wie etwa der Einäugige unter den Blinden König ist. Es bestritt zeitweise 70 Prozent des gesamten deutschen Börsengeschäfts und hält einen beträchtlichen Vorsprung vor Frankfurt; immer an dem engen Rahmen gemessen, in dem sich der Börsenverkehr seit Kriegsende abspielt.

Einige Hamburger Aktienkurse: AEG 95 (92), BMW 103 1/2 (97), Hansamühle 149 1/2 (138), Hoesch 133 (127), Mannesmann Stamm 156 (147 1/2 Rheinmetall-Borsig 94 (92), Siemens Stamm 119 (117), Vereinigte Stahlwerke 108 (103). Auch auf dem Bankenmarkt erholten sich die führenden vier Aktien: Reichsbankanteile notierten zuletzt allerdings nur um einen Punkt höher als in der Vorwoche: 99. Dagegen erreichten Dresdner Bank 83 (79), Deutsche Bank 80 (78), Commerzbank 84 (80).

Die Kursänderungen auf dem Rentenmarkt waren nicht bedeutend. Der Industrieobligationenmarkt war durch eine Belebung der Umsätze gekennzeichnet. Einige Papiere erschienen nach mehrwöchiger Pause wieder am Markt, wie etwa die fünfprozentigen Klöcknerobligationen von 1943 mit 110. Auch auf dem Pfandbriefmarkt wurden einige Papiere umgesetzt, die sonst nur selten auf dem Markt erscheinen. Vielfach wurden allerdings nur kleine Umsätze verzeichnet. –ck