Die bevorstehende Agrarreform muß erstens der Hungersnot steuern. Sie muß zweitens aus der Landwirtschaft den wirtschaftlichen Träger des Staates machen, denn es wird sich in Zukunft kein anderer Wirtschaftsfaktor auch nur annähernd mit ihr messen können. Die Landwirtschaft muß auch nach überwundener Hungersnot durch Höchstleistungen helfen, die Ein- und Ausfuhrbilanz günstig zu gestalten. Sie muß drittens die landwirtschaftlichen Betriebe krisenfest machen, denn eine neue Agrarnot würde diesmal die wirtschaftlichen Grundlagen des Staates treffen, weil es keine leistungsfähige Industrie zum Ausgleich geben wird.

Deshalb muß das Ziel der Agrarreform sein: höchste Leistungspflicht.

*

Schlange-Schöningen betont mit Recht: "Wenn ein Bauer schlecht ackert, so ist das eine öffentliche Angelegenheit."

Auf einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche mittlerer Güte können für 800 RM und in Ausnahmefällen auch bis 1200 RM Lebensmittel erzeugt werden. Diese Leistungen werden aber nur von verhältnismäßig wenigen Betrieben (Spitzenbetrieben) erreicht. Die große Masse, der Durchschnitt, erzeugt auf dem gleichwertigen Hektar nur für 400 bis 600 RM und ein weiterer beträchtlicher Teil nur für 200 bis 300 RM (Ausfallbetriebe). Der Grund für diese Unterschiede liegt zum größten Teil im Können und in der Erzeugungsenergie der Betriebsleiter.

Ein Teil der Unterschiede wird immer bleiben; in der jetzigen Höhe aber sind sie völlig unberechtigt. Seit dem Eindringen der Wissenschaft in die Landwirtschaft im vorigen Jahrhundert stieg die Kurve dieser Erzeugungsunterschiede ständig, und in den letzten zwölf Jahren wurde sie beängstigend steil. Die besten Betriebsleiter waren imstande, die Möglichkeiten, die ihnen die Wissenschaft erschloß, auszunutzen. Das Beeinflussungssystem der landwirtschaftlichen Organisationen aber konnte diese "Möglichkeiten der großen Masse der Landwirte nicht genügend nahebringen. Es war auf die Belange der wissenschaftlich ungeschulten Landwirte nicht zugeschnitten und setzte unberechtigterweise voraus, daß jeder Betriebsleiter in der Lage sei die im

Vortrag, in der Zeitung oder bei einem kurzen Betriebsbesuch gebotene Theorie allein in die Praxis zu übersetzen. Den Nichtlandwirten sei dazu gesagt, daß dazu tatsächlich oft eine große Kunst gehört.