Von Ulrich Sander

Sie war ein hübsches Mädchen gewesen, flink, lustig und hart in der Arbeit. Ihre langen, schmalen Füße, die so aussahen, als sei die Besitzerin etwas Feineres, setzte sie so rasch, daß man es kaum sehen konnte. Und sie hätte viel hin und her zu laufen, denn der Vater schickte sie zweimal in der Woche mit Fischen in die Stadt. Man kaufte gern bei ihr, denn sie gab nicht nur gute Ware, sondern auch gute Worte.

Die Burschen waren hinter ihr drein wie das Donnerwetter. Es gab ihretwegen manche Schlägerei. Paul Franzen, der junge Ackerbürger, wollte sie haben und kriegte sie nicht, weil sie der See und den Booten nicht untreu werden wollte. Und Paul hatte an die hundertzwanzig Morgen unter dem Pfluge und Geld obendrein. Dann bewarb sich der Lotse Albert Freyer um sie, dem die Frau im Wochenbett gestorben war. Das war ein gerettet. Mann, der manchen Fischer aus Seenot gerettet, hatte, wenn der Kutter im Nebel auf Sand gelaufen war. Ein Mann, der sogar seine Pension zu verzehren hatte, ging er einmal aus dem Dienst. Aber eine Beamtenfrau wollte sie auch nicht werden, selbst wenn sie sich ein Dienstmädchen und eine Straußenfeder auf dem Hut hätte leisten können. Sie wollte bei den Fischern bleiben, von denen sie abstammte. Es gehörte sich so.

Dann ging Fritz Kistenmacher mit ihr, den sie gern mochte. Er tanzte mit ihr und gab etwas aus, denn er fischte gut. Als es beinahe soweit war, blieb sein Boot weg. Es ist ihr sehr nahegegangen.

Endlich sagte sie dessen Vetter Eduard Kistenmacher zu, als die Trauerzeit zu Ende war. Und der war nicht ganz so wie Fritz, aber beinah. Auch hatte er ein besseres Boot und mehr Wiesen hinter dem Hause. Man konnte zwei Kühe halten.

Die Ehe ließ sich gut an. Eduard fischte und Pauline besorgte die Wirtschaft, die Netze, den Bestich und das Kind. Man stellte noch drei Milchschafe auf und vermietete im Sommer an die Badegäste.

Dann aber kam der Unglückstag, an dem sie Eduard auf der Bahre ins Haus brachten. Er war nach dem Einlaufen beim Anlegen zwischen Bord und Bollwerk geraten. Das rechte Bein war gesplittert. Er hat lange gelegen und ist auch nicht mehr recht geworden. Auf See konnte er nicht mehr. Was soll ein Mensch mit steifem Bein auf See! Er ist sich und den Kameraden zur Last.