Die britische Regierung hat den amerikanischen Vorschlag auf engere Zusammenarbeit der Be-^tatzungszonen angenommen. Der erste Schritt, um aus dem dauernden Absinken des Lebensstandes des deutschen Volkes, um aus der wachsenden Verzweiflung und der grenzenlosen Hoffnungslosigkeit herauszukommen, ist vollzogen. Hohe Beamte der britischen und amerikanischen Militärregierung haben bereits angekündigt, daß die ersten Maßregeln zu erwarten sind, die den Überfluß an Gütern auf der einen mit Waren auf der anderen Seite der Zonengrenzen austauschen lassen.

Nicht länger wird der Zustand vorherrschen, daß in einzelnen Gebieten der amerikanischen Zone Lebensmittel in größerer Menge vorhanden sind, Jedoch die Bevölkerung friert und feiern muß, weil im Ruhrgebiet die hungernden Arbeiter die Kohle nicht länger im technisch möglichen Maße fördern. Der Austausch wird sich nicht darauf beschränken, vorhandene Mengen besser zu verteilen, sondern die Erzeugung zu beleben und, auf den Stand zu heben, der dem deutschen Volke wieder Hoffnung und den Glauben an die Zukunft gibt.

Das hat uns in den letzten Monaten so besonders getroffen, daß die Verhandlungen nicht vorwärts zu kommen schienen, daß alleHoffnungen auf die Konferenzen immer wieder enttäuscht wurden, und wir wußten doch, daß nur in der Zusammenarbeit der Zonen die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Gesundung liegen konnte. Es gab manchen, der die vorhandenen politischen Schwierigkeiten nicht sah, der immer nur von der Tatsache beherrscht wurde, daß ein Gebiet, das eine unzerreißbare Einheit bildete, in Tille zerschnitten wurde, die nach allgemeiner Erkenntnis nicht lebensfähig sein konnten. Viele sahen das ^Eingehre und gesher auf eine Willen schließen zu müssen, Deutschland endgültig zu vernichten und das deutsche Volk dem Hungertode auszuliefern. Sie sahen nicht, daß der fremde Steuerzahler durch diese Politik ebenfalls schwer belastet wurde. Jetzt endlich, nach zahllosen vergeblichen Versuchen einer Verständigung, haben die amerikanischen und britischen Behörden den Anfang mit der Verwirklichung der Potsdamer Beschlüsse gemacht.

Wir wollen uns gewiß nicht trügerischen Hoffnungen hingeben, als seien mit der Zusammenarbeit der Westzonen alle Probleme gelöst, als könnte die deutsche Wirtschaft jetzt auf der Grundlage der Ruhrkohle und der Lebensmittel in anderen Zonen sich frei entfalten. Nicht einmal der freie Reiseverkehr über die Zonengrenzen des Westens steht fest. Die materiellen Auswirkungen der Zusammenarbeit verlangen als Voraussetzung noch eingehende Beratungen, sorgfältige Planung und die Mitarbeit aller beteiligten Stellen–und nicht zuletzt viel Mut und Unternehmungslust der deutschen Wirtschaft. Aber der erste Schritt ist vollzogen. Wir fassen wieder Mut!

Jeder von uns weiß, wie notwendig es geworden war, daß wir inmitten allgemeiner Dunkelheit und Unsicherheit einen neuen, inneren Auftrieb erhielten. Wir schienen schon ganz dem müden Verzicht anheimfallen zu wollen, daß nur das Ausland uns helfen könnte; wenn wir nicht einmal in der Lage waren, die Menge von 1000 Kalorien täglich aus eigener Kraft bereitzustellen, glaubte mancher, daß es dann dem Auslande auch nicht darauf ankommen könne, etwas mehr zu liefern. Fast schien es, als ob die Ernte in den Vereinigten Staaten und Kanada für unser Wohlergehen wichtiger geworden wäre als die Ernte auf deutschen Äckern. Hier lag die größte Gefahr.

Aus eigener Kraft müssen wir uns aus dem tiefen Abgrund herausarbeiten, in den dieser unglückselige, verbrecherische Krieg uns gestürzt Das können wir jedoch nur, wenn wir wenigstens das wenige noch zur Verfügung haben, was ein sinnloser Widerstand bis zum letzten Augenblick, bis zum Zusammenschlagen der Kriegswogen aus Ost und West uns gelassen hat Solange uns die Hände gebunden, die wichtigsten Verkehrswege abgeriegelt, die fruchtbaren Gebiete des Südens von den lebenspendenden Kohlenbezirken des Nordens ^aogeschten and die induster von nicht stofflieferern getrennt war, war alles Mühen, alles fangen und alles Hoffen umsonst. Jetzt können wir wieder an die Arbeit gehen.

Manches muß noch geschehen, bis aus unserer Arbeit nicht nur die wirtschaftliche Unabhängigkeit Tom Auslande, sondern darüber hinaus die Möglichkeit der Abtragung der schweren Kriegsschuld erwächst. Aber wir sehen das erste Licht, den ersten Sieg wirtschaftlicher Vernunft Daraus ^schöpfen wir neue Kraft.