Seltsame Lichtphänomene sind über Schweden beobachtet worden, Feuerbälle, die in einer Höhe von 500–1000 Meter mit großer Geschwindigkeit durch die Luft rasen und wieder verschwinden. Die Meldungen darüber wollen nicht verstummen, obgleich der Chef der schwedischen Luftabwehr vor einer Bombenpsychose gewarnt hat. Handelt es sich etwa um eine ähnliche Sensation wie seinerzeit bei dem Monster von Loch Ness? Die Älteren unter uns entsinnen sich gewiß noch gut der Hartnäckigkeit, mit der diese Seeschlange abwechselnd mit dem Schweizer Tatzelwurm immer gerade dann aufzutauchen pflegte, wenn die Hundstage ausgebrochen waren und die politischen Spannungen, die das Interesse des Zeitungslesers sonst in Anspruch genommen hatten, ausblieben, weil alle Staatsmänner auf Urlaub gefahren waren. Aber wir haben heute keine politischen Hundstage. In Paris tagt die erste Friedenskonferenz, die Staatsmänner streiten sich erregt über die Art des Verfahrens, und an Spannungen fehlt es wahrhaftig nicht. So wären wir also gezwungen, diese Meldungen ernst zu nehmen? Die ersten Bomben sind, so heißt es, über schwedischem Boden explodiert, und Zweifel daran, daß es sich um Raketengeschosse handelt, können, scheint es, nicht mehr bestehen.

"Flugzeuge unbekannter Herkunft überflogen schwedischen Boden." Diese Meldung konnten wir im Kriege zu wiederholten Malen lesen. Aber herrscht nicht Frieden in der Welt? Ist nicht in der UNO eine neue Ordnung aufgestellt worden, um den Krieg für alle Zeiten unmöglich zu machen? Auf dem Atoll in Bikini wurden in aller Weltöffentlichkeit von amerikanischen Flugzeugen Atombomben abgeworfen, damit ihre zerstörerische Wirkung im Seekrieg erprobt werde. Aus dem Dunkeln, aus unbekanntem Lande werden Raketengeschosse gelenkt über das Gebiet eines Staates, der in beiden Weltkriegen neutral geblieben ist. Unheimlich ist dies Geschehen, unwirklich erscheint es im Licht der Friedenshoffnung, das über der Welt aufgegangen ist. Schon werden dazu von militärischen Stellen Nachrichten verbreitet über ferngelenkte Atomgeschosse, mit denen es möglich sein wird, von den Vereinigten Staaten aus jeden Punkt der Erde zu belegen. Begleitmusik zur Friedenskonferenz? Warnende Drohungen gegen den, der es wagen sollte, in Zukunft zu den Waffen zu greifen, oder demonstratives Hervorkehren der Macht, bis zu der eine neue Rüstung gediehen ist?

Einzelne dieser unbekannten Geschosse über Schweden wechseln, so heißt es, ihre Richtung und fliegen zu ihrem. Abschußort zurück. "Bumerangbomben" nennt man sie deshalb in Schweden. Das klingt wie ein Symbol, wie eine Hoffnung, daß im Zeitalter der UNO alle Raketen mit vervielfachter Wirkung auf den Angreifer zurückfallen mögen.