Die Kommunisten Italiens haben sich zwar an der Regierung de Gasperi beteiligt aber ihr Führer Togbarth hat das von ihm früher innegehabte Justizministerium niedergelegt und auch auf jedes andere Amt verzichtet, am sich "voll der Parteiarbeit widmen zu können" Als de Guten kürzlich seine innen- und Außenpolitik in der Nationalversammlungverteidigte. kamen die kritischsten und ‚chartstenZwischenrufe von kommunistischen Abgeordnetenwahrend die in Opposition sechendenRechtsparteien Beifall spendeten. Die französischen Kommunisten zeigen an der Ausarbeiten: der neuen französischen Verfassung nicht mein dasselbe Interesse wie bisher und verhalten sich auch sonst auffallend passiv In Belgien weiter. die Führer der Sozialdemokratie, van ‚Acker und Spaak eine Regierung ohne die Kommunisten bilden haben sich allerdings in der Parteileitung noch nicht durchgesetzt, In den Niederländer erfolgte die Regierungsbildung in Frontstellung gegen den Kommunismus. In mehreren Ländern wie Österreich. Dänemark und Schweden sind die Kommunisten neutral.

Das Bild hat sich gegen das Vorjahr geändert. Die Kommunisten sind nicht mehr so stark an eines aktiven Mitarbeit interessiert wie früher. Manches Moment laßt vermuten daß der westeuropäische Kommunismus in Opposition gehen wolle Wichtig ist diese Frage vor allem für Italien wo die Kommunistische Partei die dritistarksteist und für Frankreich, wo die Kommunistische Partei die der Arbeiter und der Gewerkschaften ist und erhebliche Anstrengungen entwickelt um wieder die stärkste des Landes in werden Anlaß für diesen Umschwung waren außen- und innenpolitische Ereignisse, die die Kommunistischen Parteien dieser Länder in eine etwas kritische Lage gebracht haben

Entscheidend war die Außenpolitik. Die Kommunistische Partei aller Länder hat nach diesem Kriege eine betont nationale Haltung eingenommen, ist aber nun in Frankreich und Italien durch die Stellungnahme Molotows im Rat der Außenminister in Widerspruche verwickelt worden. Über den französischen Kommunistenführer Maurice Thoren soll Stalin zu de Gaulle gesagt habent "Ich habe den Eindruck, daß Thor" ein guter Franzose ist." Ob dieses Gerücht stimmt oder nicht, es hat viel Wahrheit für sich, zumal da die betonte nationale Haltung der französischen Kommunisten schon vor dem Kriege charakteristisch war. Alssich 1934 die Gefahr einesfaschistischen Putsches zeigte, schwenkten die Kommunisten in eine nationale Politik ein, und außerdem hatte Stalin bei der Unterzeichnung des russisch-französischen Vertrages zu Laval erklärt, daß er die französische Politik der nationalen Verteidigung und der Aufrechterhaltung ausreichender Streitkräfte billige. Nach dem Kriege nahmen die Kommunisten in der Deutschlandpolitik eine nationalistischere Haltung ein als Bidault Als nun Molotow Im Rat der Außenminister einen anderen Standpunkt vertrat war es für die kommunistische Humanité schwierig, die These zu vertreten, daß der Unterschied nicht erheblich sei. Thorez selbst verlangte in einer Rede am 4. August die wirtschaftliche und politische Internationalisierung des Ruhrgebietes, die Errichtung einer französischen Verwaltung für das Rheinland und die Eingliederung der Saar in die französische Wirtschaftseinheit. außer der Zahlung von Reparationen an Frankreich, insbesondere von Kohle, Maschinen und Vieh Sein Programm unterscheidet sich also wesentlich von dem Molotows. und vorläufig deutet noch nichts darauf hin, daß Thorez die nrdrunsen der kommunistischen Partei "annaßt"und damit in Opposition zur Regierung kommen würde.

Schärfer sind die außenpolitischen Gegensätze in Italien zusammengeprallt. In der obenerwähnten Debatte hat de Gasperi den italienischen Kommunisten vorgehalten, daß sie sich mit Tito über das Schicksal von Triest hätten einigen sollen, aber anscheinend über die Komintern keinen Einfluß hätten, worauf die Kommunisten antworteten, daß die Komintern schon längst aufgelöst sei. Neuerdings wird nun diese Verständigung mit Tito gesucht. Hieraus könnte sich ein Gegensatz zu denen entwickeln, die von einer Zusammenarbeit mit dem Westen eine bessere Lösung erwarten.

Dagegen betont der Kommunismus immer schärfer seine Opposition zu den einen Westblock anstrebenden Kreisen. Der von de Gaulle in Bar-le-Duc gemachte Vorschlag eines englisch-französischwesteuropäischen Blockes als Ausgleich zwischen den USA und den Sowjets hat eine, heftige Opposition von Thorez ausgelöst, der sich außerdem sehr scharf gegen die Zusammenlegung der amerikanischen und britischen Zonen Deutschlands aufsprach, da dies den Anfang eines Westblockes bedeute. in Italien fordern die Kommunisten erneut ein Bündnis mit der Sowjetunion und finden dabei die Unterstützung der äußersten Rechten, denn diese meint, daß bei der schroffen Haltung der Westmächte gegenüber Italien nichts anderes mehr übrigbleibe. Falls Bidault und de Gasperi offen eine Politik des Westblocks betreiben sollten, wird die Kommunistische Partei sicherlich in Opposition gehen. In Italien haben die Kommunisten zwar erreicht, daß an Stelle der Monarchie die Republik trat, aber diese kommt nicht so sehr in einem Zweifrontenkampf gegen Reaktion und Revolution, sondern vorwiegend in eine scharfe Stellung gegen die äußerste Linke, weil sie zeigen muß, daß sie weder. schwach noch rot ist sondern italienisch, und weil de Gasperi mit seinem nationalen Kurs die Rechte vorläufig entwaffnet hat. Die Linke hat mit Unruhen und Streiks geantwortet. De Gasperi wies drohend darauf hin, daß die Lage mit den Eingriffen der Gewerkschaften der am Vorabend der Machtergreifung des Faschismus gleiche. In Belgien spitzt sich der Kampf der Kommunisten gegen die Hochfinanz, die Großindustrie und den Faschismus immer mehr zu.

Die innenpolitischen Schwierigkeiten erklären sich aus den wirtschaftlichen und diese wiederum daraus, daß der Krieg noch nirgendwo bezahlt worden tot und niemand geneigt ist, die dafür notwendigen Opfer zu bringen. Alle möchten du Geld, das sie in Form von Schatzscheinen haben und das zur Bezahlung von Kanonen und Munition gedient hat; noch einmal ausgeben. Das ist natürlich nicht möglich. So ist zuviel Geld da. Aber anderseits nicht genügend an Gütern. Die Folge muß die Inflation sein. Lohnerhöhungen können keine Hilfe sein. Das sind Binsenwahrheiten, und Binsenwahrheiten wären auch das, was volkswirtschaftlich geschulte Politiker als Weg aus der Krise vorschlagen könnten, aber die Durchführung eines jeden Planes erfordert Opfer – und nirgendwo ist Bereitschaft vorhanden, diese Opfer zu bringen.

Deswegen wird "sich in den westeuropäische" Ländern und auch in andern die Krise verschärfen. Wie stets werden die radikalen Elemente die Nutznieder sein. In Italien ist die Lage schon Jetzt so, daß die Kommunistische Partei aus Innenpolitischen Gründen in die Opposition strebt In Frankrech in sie zurückhaltender. Es kam sogar zu scharfen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Kommunistische Partei und den kommunistisch geführten Gewerkschaften, weil Thorez die gewerkschaftliche Forderuug einer Lohnerhöhung von 21 v. H. als demagogisch ablehnte. Thorez will ohne Zweifel als guter Franose wie ihn Stalin geschildert hat in der Regierung bleiben. Aber ist dieser damalige Bergarbeiter, der, wie einst Jean Jaurès, das Vertrauen und die Liebe der Massen hat stark genug, um die Partei und ihre Mitgliedes für diese Politik fest einzuspannen? Zu groß Im die Versuchung, in der Opposition Kräfte zu sammeln, um die Lasten des Krleges vielleicht aus einige Schichten abzuwälzen. W. O.