De optimistischen Erwartungen auf baldige Auswirkungen der Westzoneneinheit im Wirtschaftsleben erfuhren die erste Dämpfung. So machte auch die Hochstimmung an den Börsen einer leichten Ernüchterung Platz. Die um die Mitte der letzten Woche erreichten Höchstkurse konnten nur bei wenigen Papieren gehalten werden.

Zu den gutbehaupteten Teilmärkten gehörte in Hamburg die Bankengruppe. Reichsbankanteile

Frankreichs Lösung

Ein "Außenhandelsamt" für die französische Zone, das von der Besatzungsbehörde kontrolliert wird, führt Exporte und Importe und deren Verrechnung aus – mit dem Ergebnis, daß sich bisher ein Ausfuhrüberschuß ergeben hat. Der wichtigste Ausfuhrartikel ist Schnittholz: Einkaufspreis 116 RM je t, Verkaufspreis (in Frankreich) auf der Basis von 19 Dollar, gleich 190 RM. Das Gegengeschäft wird bei dem aus den USA importierten Weizen gemacht. Der dort zu etwa 73 Dollar je t eingekaufte Weizen, der "frei Zone" auf 115 Dollar zu stehen kommt, wird zum Gegenwert von 20 Dollar, also zu 200 RM, verkauft.

Für den Zeitraum von acht Monaten, der mit dem 31. März 1946 abschließt, sind aus der Zone Waren im Werte von insgesamt 18 Mill. Dollar verkauft worden; davon entfallen 11,5 Mill. auf Rohstoffe, 5,4 Mill. auf "Fertigwaren für industrielle Erzeugnisse", 1,4 Mill. auf Verbrauchsgüter und 0,5 Mill. auf Agrarprodukte. Ein Fünftel der Verkaufserlöse werden als Rücklage gebucht, die eventuell für Reparationszahlungen verfüglich sein wird; es bleiben somit 15,2 Mill. Dollar als Gegenwert für Importe. notieren nach 99 in der Vorwoche 107 1/2. Die Frühere Parallelität der drei Filialgroßbanken ist schon seit einigen Wochen verlorengegangen. Teilweise weichen die Kurse jetzt um mehrere Punkte voneinander ab. In der vergangenen Woche erreichten Commerzbank 91 (nach 84), Dresdner Bank 88 (nach 83) und Deutsche Bank 84 (nach 80).

In der Schwerindustriegruppe konnten Rheinische Stahlwerke, Hoesch, Vereinigte Stahlwerke und die Gutehoffnungshütte (die in der vorigen Woche eine starke Sonderhausse erlebte)’ die Höchstkurse nicht halten. Es notierten in Hamburg zuletzt: Rheinstahl 139, Stahlverein 108, Hoesch 140, Mannesmann Stamm 16! und Gutehoffnungshütte 218.

Auch in der Elektrogruppe mußten zum Wochenende kleinere Kurskorrekturen nach unten in Kauf genommen werden. AEG wurden zu 97 umgesetzt, Siemens Stamm zu 118, Siemens Vorzugsaktien zu 113.