Nach Billigung der England-Anleihe wird bis zum Anlaufen des Bretton-Wood-Kreditapparates die Export-Import-Bank im wesentlichen für die Gewährung großer internationaler Anleihen seitens der USA in Frage kommen. Als vor einem Jahre mehrere Staaten zu ähnlich günstigen Bedingungen wie England in den USA Kredite aufnehmen wollten, wurde ihnen von Washington gesagt. daß die England-Anleihe etwas Einmaliges, durch Englands Stellung im Welthandel Bedingtes sei und daß andere Staaten nicht die gleichen Bedingungen erwarten könnten, sich vielmehr an die Export-Import-Bank wenden müßten, bis im Herbst 1947 die neuen internationalen Kreditinstitute in Tätigkeit treten würden.

Auf Grund der damals geäußerten Wünsche rechneten die USA mit einem Gesamtbetrag neuer Anleihen der Export-Import-Bank in Höhe von 3,25 Mrd. Dollar, vorwiegend zugunsten der Sowjets und Frankreichs. Aber seitdem bekannt ist, daß die Export-Import-Bank als günstigste Bedingung eine Verzinsung von 2 3/8 Proz. und eine Tilgung in 30 Jahren (was einen jährlichen Schuldendienst von 5 5/8 Proz. bedeutet) verlangt, ist das Interesse manchen Kreditsuchers stark abgekühlt. Es ist überhaupt für die Geschichte der Export-Import-Bank charakteristisch, daß von ihren Angeboten nur zögernd Gebrauch gemacht worden ist.

Sie wurde 1934 mit einem Kapital von 500 Mill. Dollar gegründet und nahm Ende 1939 ihre Tätigkeit auf. Ihre Mittel erhält sie in Form von Aktienzeichnungen und Kreditgewährungen von der öffentlichen Hand, vorwiegend von der Reconstruction Finance Corporation. Ihre ursprünglichen Aufgaben waren die kurzfristige Finanzierung der Ausfuhr von Agrarüberschüssen und die mittel- und langfristige Finanzierung der Industrieausfuhr. Ein wesentlicher Ausbau erfolgte mit der Annahme des Gesetzes vom 24. September 1940 über die Erhöhung der Kreditspanne um 500 Mill. und die spezielle Hinwendung auf die Entwicklung der Rohstoffe Lateinamerikas.

Seitdem ist das Hauptgeschäft der Export-Import-Bank die Finanzierung öffentlicher Anlagen und Rohstoffunternehmungen in Lateinamerika durch mittel- und langfristige Kredite, die für solche Zwecke seitens der amerikanischen Kreditinstitute nur zögernd gegeben werden. Sie sprang immer nur ein, wenn private Banken nicht bereit waren, war aber ihrerseits in der Kreditgewährung stets sehr vorsichtig, so daß sie deswegen oft angegriffen worden ist. Die Hauptnutznießer waren zunächst Brasilien, Kuba und Kolumbien. Später wurden fast alle lateinamerikanischen Staaten, ferner einige europäische (so die nordischen) Länder und außerdem China in diesen Kreis einbezogen.

Bei der Gründung der Export-Import-Bank haben politische Erwägungen kaum mitgesprochen, aber manches Kreditgeschäft hat politischen Charakter. Vorwiegend politisch bedingt war zum Beispiel die Anleihe, die Finnland 1939/40 gewährt wurde; die Finanzierung der Flugzeug-, lieferungen an Frankreich und England kurz vor dem Kriege und vor allem das Gesetz vom 24. September 1940 über den Ausbau der Tätigkeit. Ohne diese politischen Motive’/wäre die Export-Import-Bank ein relativ bescheidenes Kreditinstitut geblieben, dessen Tätigkeit wahrscheinlich im Laufe der Zeit immer mehr durch die privaten Banken eingeengt worden wäre. Bezeichnend ist, daß die Export-Import-Bank bis August. 1941, solange also das politische – Moment nur wenig besagte, den iberoamerikanischen Staaten. Kredite bis zu 32: Mill. Dollar eingeräumt hatte, wovon aber nur 92 Mill. beansprucht worden. waren. Vor allem Argentinien zog es vor, seinen Kredit stehenzulassen.

Jetzt scheint es so, als wenn politische Anleihen einen großen Ausbau bringen würden. Die Export-Import-Bank soll, nach dem Ende der Leihpacht-Regelung, den Bundesgenossen helfen. Aber von diesen haben – bisher – nur die durch den Krieg stärker in Mitleidenschaft gezogenen Staaten Wünsche geäußert, und von diesen wiederum nur die Sowjets und Frankreich Milliardenbeträge genannt; Frankreich hat 650 Mill. abgeschlossen. Neben diesen beiden Ländern käme als möglicher großer Kreditnehmer vielleicht noch China in Frage, später wohl auch Indien.

Es erscheint somit fraglich, daß die vorgesehene Erhöhung der Kreditspanne auf 5 Mrd. Dollar notwendig sein wird. Die Bundesgenossen stehen nämlich auf dem Standpunkt, daß bei der finanziellen Überbrückung von Kriegsschäden – denn um eine solche handele es sich vorwiegend bei diesen Anleihewünschen – aus politischen Gründen weit günstigere Bedingungen gewährt werden müßten. Neben diesem stark politischen Geschäft läuft das normale zur Finanzierung der amerikanischen Ausfuhr insbesondere von Baumwolle, worauf sich die Bank seit langem spezialisiert hat. Es handelt sich bei größeren derartigen Abschlüssen um Beträge von je etwa 30 Mill. Dollar. Hauptnutznießer waren in letzter Zeit Holland, Finnland, Italien und Polen, wobei das politische Abkommen aus politischen Gründen zeitweilig gefährdet war. –tk–