So war es mit der Frau: wenn sie eine Uniform sah, hörte sie es "Mutter, Mutter" rufen, und sie blickte jedesmal zur Seite, wenn solch ein Kriegsgewand vor ihr auftauchte. So auch an jenem Tage, als der fremde Militärrock hartnäckig neben ihr blieb, ihr folgte, als sie schneller ging, und sie eine Stimme vernahm, wie vor tausend Jahren: "Ja, kennst du mich denn nicht, oder willst du mich nicht mehr kennen?"

Die Frau konnte nichts anderes tun als stehenbleiben, und sie erkannte ihn, trotz der fremder. Uniform. Sie gaben sich die Hand und gingen in die Stadt.

Es war gut, die Treue in einem Soldatenrock wiederzufinden, und schließlich war dieser Rock auch nichts anderes als eine Schutzfarbe in einer Welt, wo man auf der Hut sein mußte. Hinter dieser Schutzfarbe war das alte Leben: Mozart, Hölderlin, ein -deutscher Dom, ein Fluß, eine Margueritenwiese und ein kleiner See, an dem einmal, vor tausend Jahren, ein junges Paar seinen Liebesunsinn getrieben hatte. Das alles war nun über den Ozean zurückgekommen und breitete sich der Frau hin als eine Welt ewig bestehender Wirklichkeit, von der sie aber nur einen Zipfel erfassen konnte, denn was ihm in der Fremde lebende Heimat geblieben war, hatte sich ihr in der Heimat in ein Gräberfeld verwandelt.

In der ihr so vertrauten drakonischen Kürze fragte er nach ihrem Umkreis.

"Dein Mann?"

"Oh, schon lange drüben!"

"Und eure beiden Erzengel?"