vom 8. August bis 14. August 1946

Am Freitag nahm die Vollversammlung der Pariser Konferenz den Beschluß des Verfahrensausschusses an, so daß sowohl Einschließungen mit Zweidrittel- als auch mit einfacher Mehrheit als Empfehlungen an den Rat der vier Außenminister weitergeleitet werden können. Als erster Vertreter der fünf ehemaligen Feindmächte legte der italienische Ministerpräsident de Gasperi am Sonnabend der Konferenz den Standpunkt seiner Regierung zu dem Friedensvertragsentwurf dar. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde eine Einigung erzielt, am Dienstag eine allgemeine Debatte über de Gasperis Rede abzuhalten.

Der amerikanische Außenminister Byrnes übernahm am Montag den Vorsitz der Pariser Konferenz. Mit 15 gegen 3 Stimmen wurde auf der Vollsitzung am gleichen Tag beschlossen, Albanien, Mexiko, Kuba und Ägypten zur Vertretung ihres Standpunktes vor der Pariser Konferenz einzuladen. Von einer Einladung Österreichs wurde nach einem Protest des russischen Delegierten Abstand genommen.

Die österreichische Regierung hat die Pariser Konferenz in einem Memorandum gebeten, der Bevölkerung Südtirols in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Atlantik-Charter und der Satzung der UNO das Recht der Selbstbestimmung zu gewähren.

Die Aufnahme besonderer Klauseln in die Friedensverträge der Pariser Konferenz zum Schutz der jüdischen Gemeinden forderte der jüdische Weltkongreß in Paris.

Die Sowjetregierung hat die britische Regierung davon unterrichtet, daß sie eine Revision des Abkommens von Montreux über die Dardanellen wünsche. Das Montreux-Abkommen, das 1926 für die Dauer von 20 Jahren abgeschlossen wurde, wäre, wenn keiner der unterzeichneten Mächte Einspruch erhoben hätte, am 9. August automatisch für fünf Jahre verlängert worden.

Nach dem überraschenden Rücktritt des türkischen Ministerpräsidenten Saracoglu hat Redjep Peker, Abgeordneter der Republikanischen Volkspartei für Istanbul, eine neue türkische Regierung gebildet, die von Präsident Inönü bestätigt wurde. Hassan Saka behält auch im neuen Kabinett das Außenministerium. Zum Präsidenten der neuen türkischen Nationalversammlung wurde General Kazim Karabekir gewählt.