Seit dem 31. Juli 1946 ist die Zahlung der Versorgungsrenten an ehemalige Angehörige Wehrmacht wie an Hinterbliebene von Wehrmachtsmitgliedern eingestellt worden. In Zukunft soll die Rentenversorgung nach den Vorschriften der Invaliden-, Angestellten- und Knappschaftsversicherung durchgeführt werden. Tiefe Sorge erfüllt uns, daß die Kriegsopfer und ihre Angehörigen durch diesen Wandel, der sie sctematisdt auf die niedrigste Stufe bringt, einer Verelendung entgegengehen! Die Neuregelung gewährleistet keinen einheitlichen Maßstab, die Eltern Gefallener werden überhaupt nicht bedacht, die in Frage, kommenden Sätze reichen nicht aus zur Bestreitung der Lebensnotdurft, und vor allem sind die Körperbehinderten von tiefer Unruhe erfüllt, ob und wieweit sie mit tatkräftiger und individueller Betreuung noch rechnen können. Ob die Gemeinden in der Lage sein werden, auf die Dauer zu helfen oder nicht, ob neuen oder noch zu schaffenden Organisationen das Schicksal der Kriegsopfer anvertraut werden kann – fest dürfte jedenfalls stehen, daß es eine unabdingbare moralische Pflicht des deutschen Volkes ist, sich der unglücklichen Opfer anzunehmen, die der Nationalsozialismus und sein verbrecherischer Krieg dem neu entstehenden Deutschland als trauriges Erbe hinterlassen hat.