"Während der Besatzungszeit ist Deutschland als ein einziges wirtschaftliches Ganzes zu betrachten. Mit diesem Ziel ist eine gemeinsame Politik durchzuführen hinsichtlich... der zentralen Besteuerung. Potsdamer Beschlüsse,

Punkt 14, Ziffer e.

Wer in der britischen Zone wohnt, kann die "bezahlte Vermögensteuer ohne Begrenzung in voller Höhe in Abzug bringen. In den anderer Zonen fällt die Vermögenssteuer unter die Höchstgrenze von 300 RM für Sonderausgaben. Was das bedeutet, zeigt folgendes Beispiel: Herr Ehrlich hat ein Vermögen von 1 000 000 RM und ein Einkommen von 100 000 RM. Wohnt er in der britischen Zone, so verbleiben ihm von seinem Einkommen 13 297 RM, wenn er 61 953 RM Einkommensteuer und 24 750 RM Vermögenssteuer bezahlt hat. Wohnt der Unglückliche in der amerikanischen Zone, sagen wir, in Großhessen, dem hat er 85 513 RM Einkommen- und 24 750 RM Vermögenssteuer zu entrichten. Wie man sieht, ist es zu optimistisch anzunehmen, die Besteuerung könne nicht über l00 v. H. des Einkommens steigen

Auch nach anderer Richtung ist das Resultat ziemlich überraschend: Wenn man es nämlich als Gradmesser dafür ansehen wollte, in welchem Maße es bisher gelungen ist, die finanzielle Einheit Deutschlands zu stabilisieren. Aber gehen wir weiter: In der britischen Zone trat die erhöhte Lohnsteuer ab 1. April 1946 in Kraft. In anderes Zonen geschah das bereits zum 1. Januar 1946. Soweit bei ihnen keine Veranlagung erfolgt, haben wiederum in der britischen Zone die Nur-Lohnsteuerpflichtigen einen Vorteil, der bei den in Frage kommenden Steuersätzen nicht gering ist Dagegen darf man wieder in Großhessen Abschreibungen auf Reichsforderungen für 1945 vornehmen, wenn auf diese Forderungen bis Ende des Jahres 1945 rechtsverbindlich verzichtet worden ist In der britischen Zone gibt es eine solche Vorschrift nicht.

Aber dann wieder ist es in Hessen nicht mehr gestattet, den sogenannten Verlustvortrag in Anspruch zu nehmen, d. h. die Land- und Forstwirts und Gewerbetreibenden, die über eine ordnungsmäßige Buchführung verfügen, dürfen nicht mein die in den beiden vorangegangenen Wirtschaftsjahren entstandenen Verluste aus Land- und Forstwirtschaft und aus Gewerbebetrieb, soweit sie nicht bei der Veranlagung für die vorangegangener Kalenderjahre ausgeglichen oder abgezogen sind, als Sonderausgaben vom Gesamtbetrag der Einkünfte abziehen. Das gilt in Großhessen für 1944 und 1945. Hessen-Pfalz ist dem mit der 1. VO. betr. die Änderung des EkStGes. vom 22. August 1945 gefolgt. Die Stadt Berlin scheint ebenfalls – nach den herausgegebenen Vordrucken für die Vierteljahreserklärung zu schließen – diese Auffassung zu vertreten.

Dagegen ist in Württemberg-Baden keine Aufhebung erfolgt. In Bayern hat man die Aufhebung, durch ein Landesgesetz vorweggenommen und die Bestimmung für die Veranlagung 1944 einfach nicht mehr angewandt und im Merkblatt für die Abgabe der Vierteljahreserklärung die Nichtanwendbarkeit ausdrücklich ausgesprochen – aber die Militärregierung erklärt sich damit nicht einverstanden. In der britischen Zone endlich blieb, vorerst mit dem Verlustvortrag alles beim alten, für 1946 in den Grenzen, die durch Artikel VIII des Gesetzes Nr. 12 gezogen sind.

Mit diesem kleinen Bukett soll es sein Bewenden haben. Mit Leichtigkeit ließe sich ein ganzer großer Blumenstrauß zusammenstellen. Nein, ein kleines Blümlein sei noch beigefügt, damit nicht etwa der Eindruck entsteht, in der britischen Zone herrsche im Gegensatz zur amerikanischen Einheitlichkeit. Hier untersteht der Oberfinanzpräsident Weser-Ems nicht der eingerichteten Leitstelle. Dementsprechend sind z.B. die Vordrucke für die Vierteljahreserklärung anders, nämlich wesentlich einfacher; statt zwei Vierteljahreserklärungen brauchte für die beiden ersten Vierteljahre auch nur eine Halbjahresdeklaration abgegeben zu werden.