Wir, die Männer, die jetzt dazu berufen worden sind, in den Denazifizierungsausschüssen ihre verantwortungsvolle und schwere Pflicht zu erfüllen, wollen nicht zurückgreifen auf die vergangenen zwölf Jahre, die "ohne Recht" waren. Wir sind an unsere Aufgabe herangegangen mit dem festen, ehrlichen Vorsatz, ohne Haß, ohne Rachegedanken, ohne persönliche Einstellung jedem gerecht zu werden. Wir handeln nach vorgeschriebenen Gesetzen, und gerade wir, die wir wissen, was es heißt, zwölf Jahre lebendig tot zu sein, haben eine heilige Scheu davor, andern Menschen ein unverdientes Schicksal angedeihen zu lassen.

Wer aber den Vorwurf erhebt, "daß es heute in Deutschland nach so viel Jahren des Schreckens noch Männer gibt, die unter dem Schein des Rechts dunkle und eigene Ziele verfolgen", der möge aufstehen, unsere Namen nennen und uns rücksichtslos, anprangern – wenn er beweisen kann, was er behauptet. Denn jeder, der da glaubt, von uns ungerecht oder gar leichtfertig behandelt worden zu sein, hat das Recht und die Pflicht, gegen uns Stellung zu nehmen, indem er Berufung gegen die vermeintliche Fehlbeurteilung einlegt.

Unter dem Titel "Ohne Recht" erschien in großer Aufmachung in der Nummer vom 15. August ein Artikel von Richard Tüngel, der die Entschei-

"Aus weichen, trüben Kanälen aber, aus welchen schmutzigen Kloaken fließen diesen ehrenwerten Männern Informationen zu, die sie, das müssen wir annehmen, aus irgendeinem Grund für einwandfrei zu halten sich verpflichtet fühlen?"

"Da er ein Schriftsteller war, haben Sie ihn nicht gefragt, wie viele von seinen Büchern verboten wurden?"

"Hat er nach diesem Verbot im Sinne der Nazis geschrieben?"

"Seit Beginn des Polenfeldzuges hatte er seinen Freunden erklärt, daß Hitler den Krieg verlieren