Die unter dem Namen UNRRA populär gewor-

dene "Relief and Rehabilitation Agency" der United Nations wird voraussichtlich mit dem Ende dieses Jahres in Europa ihre Tätigkeit einstellen; für Ostasien ist der 31. März 1947 der Endtermin ihres Wirkens. Damit ist die Frage gestellt, wer künftig die Funktionen dieser "agency" übernehmen kann oder soll, die, unter der ausgezeichneten Leitung des rührigen Mr. La Guardia – bekannt schon als ehemaliger Bürgermeister von Neuyork – einen großen Teil der vom Kriege schwer heimgesuchten Länder, einschließlich Weißrußlands und der Ukraine, nicht nur mit Lebensmitteln versorgt, sondern auch mit Produktionsmitteln und Betriebsstoffen beliefert hat: mit Kunstdünger, Saatgut, Zuchtvieh, Maschinen aller Art, Transportmitteln, Kohle und Treibstoffen. Außerdem oblag der UNRRA noch die Fürsorge für die "Displaced Persons", deren Zahl allein für Europa mit 830 000 angegeben wird.

Eine Reihe von Organisationen steht bereit, um in die Lücke einzutreten; welche von ihnen endgültig durch die UNO dies Mandat erhält, ist noch nicht endgültig ausgemacht. Bestimmt wird es nicht an einer Stelle fehlen, die für die Planung und Lenkung der Lebensmittelversorgung in weltweitem. Rahmen zuständig sein wird. Besorgt fragt man sich aber, vor allem in den von der UNRRA alimentierten Ländern, ob die neue Organisation auch jene "sonstigen Lieferungen" durchzuführen imstande ist, die bisher unter dem Begriff der "Rehabilitation" geleistet worden sind. Auch die künftige Betreuung der "D. P." ist ein noch offenes, kaum erst gestelltes Problem. Und gleichzeitig wird die Frage erhoben, wie die finanzielle Regelung gedacht ist – genauer gesagt: wer als Kreditgeber gegenüber den bedürftigen Nationen in Erscheinung treten soll. Denn das dürfte ja ausgemacht sein, daß es mit dem System der ohne Gegenleistung und à fonds perdu gegebenen Zuschüsse jetzt ein Ende hat und daß künftig alle Lieferungen bezahlen sind, wenn sie auch zunächst einmal kreditiert werden. Die nach dem Abkommen von Bretton Woods verfügbaren Kreditmittel bei der Export-Import-Bank reichen bei weitem nicht aus, den mit etwa 750 Mill. Dollar bezifferten Bedarf zu decken.

Neben den sehreinschneidenden politischen Konsequenzen, die sich mit der Einstellung – des UNRRA-Hilfswerks ergeben könnten – wenn es nicht, aus politischen Gründen wiederum, über den vorgesehenen Termin hinaus weitergeführt werden sollte – ergibt sich im Wirtschaftlichen die Folgerung, daß sich die Beziehungen zwischen Überschuß- und Bedarfsländern normalisieren werden, d. h. sich auf einer "kaufmännischen Basis" auszubalanzieren haben. Wer kreditwürdig erscheint und gute Kreditunterlagen beschaffen kann, wird schnell und leicht zum Zuge kommen; ein Teil der Nachfrage, die bisher bei der UNRRA in Form von "Anforderungen" einlief und aus ihren Fonds gedeckt wurde, ohne daß dem Hilfsbedürftigen irgendwelche Kosten erwuchsen – kaum daß Irgendwelche allgemeinpolitischen Voraussetzungen gefordert waren – wird nicht mehr in Erscheinung treten. Das klingt hart – aber eine solche Entwicklung, die alle beteiligten Nationen stärker auf das reguläre Geschäft, auf den "friedlichen, völkerverbindenden Handel" verweist, hat sicherlich auch Ihre guten Seiten. J. P. H.