Es gab und gibt hoffentlich noch die Wilhelm-Busch-Alben, die unhandlichen Wälzer, die in kein Bücherbord passen wollen, aber dennoch in ungezählten Familien das größte Ansehen genießen. Gewöhnlich trieben sie sich in den Kinderzimmern umher, mit verkratztem Einband, Eselsohren und Fingerabdrücken auf jeder Seite, mißbraucht bei allen vorkommenden Spielen und doch immer wieder in den Stand des Heiligtums zurückerhoben, wenn der Augenblick der Leseandacht gekommen war. Eltern mögen zerfledderte Bücher nicht gern; und doch, wie mancher Große hat sich nicht festgelesen zwischen Gitterbett und Puppenstube, auf einem ungemütlichen Stühlchen, und der Ramponiertheit des Buches nicht achtend! Gebannt von dem überwältigenden Spaß des großen Fabulierers; ebensosehr aber auch und vielleicht noch mehr von jener andern Seite, auf die das kindliche Leben noch verzichten darf, der abgründigen Weisheit nämlich. Eins hängt mit dem andern unauflöslich zusammen, das ist das Wunderbare an Wilhelm Busch. Unser eigenes Fassungsvermögen, die jeweilige Neigung entscheiden darüber, was wir an ihm finden, ob Komik, Einfallsreichtum und Alltagsglossierung oder Geist und künstlerische Vollendung, ob unterhaltende Geschichten oder tiefe Lebensweisheit. Daß jedermann zu jeder Zeit etwas findet, das steht fest.

Wie hoch die Auflage jener unverwüstlichen Glückspender war, wissen wir nicht. Aber da vermutlich mancher unserer Leser im Gedenken an sie schmunzelt, wird die Zahl der in Deutschland verbreitet gewesenen Bände recht beachtlich sein. Wieviel davon mag den Bomben zum Opfer gefallen sein, auf Flucht und Umzug verlorengegangen oder von blaugefrorenen Kinderhänden in den Ofen geschoben worden sein! Wir hoffen zwar darauf – aber es ist nicht vorauszusagen, wann uns der köstliche Hausschatz neu beschert wird, denn er würde viel Papier und Druckmaterial benötigen. Inzwischen soll, was der Notstand zu geben imstande ist, nicht ungewürdigt bleiben. In Hermann Hübener Verlag, Berlin, ist als Eröffnung der "Kleine Drei Birken Bücherei" ein Bändchen mit Versen von Wilhelm Busch erschienen – für eine Sammlung von Brevieren ein ansprechender Auftakt. Achtundvierzig Seiten sind nicht viel, wenn der Appetit einmal geweckt ist. Immerhin, auch aus ihnen quillt die Erntefülle eines reichen Lebens, und selbstverständlich spricht hier Meister Busch, als habe er unsere Verhältnisse von gestern und heute bestens gekannt und seine treffsicheren Bemerkungen just auf sie gemünzt. Wie schmeckt zum Beispiel dieses:

Mein Sohn, hast du allhier auf Erden

Dir vorgenommen, was zu werden.

Sei nicht zu keck;

Und denkst du, sei ein stiller Denker,

Nicht leicht befördert wird der Stänker.