Die Bankkäufe der britischen Regierung für Baumwolle bewegen die Gemüter der englischen Baumwollhändler nach wie vor. Der einmalige Präsident der Liverpooler Baumwollbörse erklärte, die Sammelkäufe würden "mindestens 50 Mill. Pfund Sterling Verluste bringen", von den weit höheren Export; und Valutaeinbußen nicht zu reden. Das ist eine düstere Prognose. Aber sie sieht die Dinge von einem grundsätzlich anderen Standpunkt als die Regierung, die ihre Einkaufspolitik zu Festpreisen eng mit der durchgreifenden Modernisierung der Baumwollindustrie gekoppelt hat, die – bemerkenswerterweise – durch Planung und Zusammenschluß unter Verzicht auf Verstaatlichung durchgeführt werden soll

Die genauen Pläne sind kürzlich veröffentlicht worden. Sie reihen die Baumwollindustrie in die notleidenden Exportindustrien ein und verschonen sie deshalb von der Nationalisierung. Die Bulckäufe sollen eine stabile Preisgrundlage schaffen. An diesem Punkt aber haken die Argumente des Handels ein. Er glaubt, auf die Dauer billiger liefern zu können, wenn er auch keine Stabilität der Einkaufspreise garantieren kann. Es wird zugegeben, daß die Politik der Bulkkäufe sich während des Krieges bewährt hat.

Jetzt aber ist die Lage insofern anormal, als die Baumwollvorräte in der Welt mit 26,7 Mill. Ballen Rekordhöhe haben. Trotzdem hat es die Baumwollpolitik der USA, die mit Ausfuhrunterstützungen arbeitet, fertiggebracht, die Preise auf hohem Stand zu halten. Middling loko notiert in Neuyork um 33 Cents je Ib herum gegen 8,88 Ende 1933 und 11,46 Ende 1939 (nach den ersten Kriegswirkungen). Große Vorräte bei hohen Preisen aber schaffen eine labile Lage, die sich um so mehr auswirken muß, je weiter die Sättigung des durch den Krieg aufgestauten Bedarfs und der Wettbewerb, der Kunstfasern vorankommen. Sinken aber die Preise, entstehen Verluste aus den Bulkkäufen, die mit Festpreisen arbeiten und noch zu den überhöhten Notierungen hereingenommen werden.

Aus diesen Zusammenhängen erklärt sich die Verlustprognose von 50 Mill. Pfund Sterling, dessen Größenordnung freilich nicht nachzuprüfen ist. Die Spinnereien haben den Vorteil der festen Preise. Liegen diese über Weltmarktniveau, müssen die Fertigprodukte der britischen Baumwollindustrie im Export wettbewerbsunfähig werden. Die Reorganisation der Industrie aber geht gerade darauf aus, die Ausfuhren zu steigern. a. b.