Von England aus dringt die Kunde eines großzügigen Bahnprojektes zu uns: auf Anregung der ägyptischen Regierung hin arbeitet man an der durchgehenden Eisenbahnverbindung London-Kairo. Danach wird es in naher Zukunft möglich sein, auf der Victoria-Station in London den Zug zu besteigen und ohne umzusteigen, im gleichen Abteil bis zur ägyptischen Hauptstadt zu gelangen – wintersüber, während der Fremdensaison, sogar noch weiter bis nach Assuan.

Wie war das bisher? Solange die internationalen Verbindungen noch aufrechterhalten waren, mußte der von England kommende Reisende viermal aus dem Zug heraus, um endlich in Kairo anzulangen. Erstens bei der Überquerung des Ärmelkanals. Sodann bei der Überwindung des Bosporus; Zum dritten Male in Syrien, wo die Bahnstrecke auf 230 Kilometer aussetzte und im Kraftwagen zurückgelegt werden mußte. Und schließlich wechselte der Fahrgast bei der Überschreitung des Suezkanals nochmals den Wagen.

All diese Widrigkeiten werden in absehbarer Zeit beseitigt sein. Der Ägypten-Reisende braucht in Dover nicht mehr auszusteigen. Er wird mit seinem Wagen auf den? Fährboot über den Kanal hinweggesetzt. In westöstlicher Richtung geht es auf einer der vier bestehenden Orientlinien weiter nach Istanbul. Dort wird der Zug auf einer Fähre über den Bosporus gesetzt. In Haydarpassa, asiatische Seite, rollt der Ägyptenexpreß weiter, über Ankara nach Aleppo in Syrien, wo er sich gabelt. Die nördliche Route verwirklicht den alten Traum der Bagdadbahn: durch Einfügung eines bisher fehlenden, 200 Kilometer langen Schienenstranges auf irakischem Boden, Juli 1940 während des Krieges zum Abschluß gebracht. Die Hauptlinie aber, eben der Ägyptenexpreß, führt von Aleppo südwärts. Auch hier ist die Schienenunterbrechung zwischen Tripoli. Bairut und Haifa auf syrischem und palästinensischem Boden jetzt beseitigt. 1942, während des Krieges, konnten die Engländer ihre Bauarbeiten unter erheblichen Schwierigkeiten zum Abschluß bringen. Noch ein letztes Hindernis: der Suezkanal, vordem durch eine Fähre überwunden, seit 1942 nun aber durch eine stählerne Klappbrücke glatter bezwungen. Die gesamte Strecke von Lonon bis nach Mittelägypten beträgt 7000 Kilometer. Der Zug wird schätzungsweise vier Tage und ächte dafür brauchen..., solange nicht umstürzende Verbesserungen des Antriebs (Dieselzüge) Und des Schienenstranges die Reisedauer radikal Verkürzen. J. B.