DIE ZEIT

Truman zeigt sich nicht mehr besorgt darüber, daß

DPA, das Amt für Preisverwaltung, immer mehr dahinsiecht. Welche Aufregung herrschte, als dies Amt Ende Juni durch das neue Gesetz in seinen Funktionen so beschnitten wurde, daß die Preiskontrolle praktisch aufhörte, und die inflatorischen Kräfte sich frei hätten entfalten können! Der Präsident legte sein Veto ein. Das neue Gesetz vom 25. Juli gab die Entscheidungen in die Hände eines Kontrollamtes. Immer deutlicher zeigt sich nun, daß dieses keineswegs am Preisstop festhalten will, sondern seine Aufgabe nur darin sieht, den Preisauftrieb zu lenken und in gewissen Grenzen zu halten.

Die drei Mitglieder des Kontrollamtes, der Bankier Thompson, der Papierindustrielle Mead und der Schatzamtsbeamte Bell, sind der Ansicht, daß im freien Spiel der Kräfte am ehesten ein Ausgleich: erzielt wird, und daß die Behörden nur die Aufgabe hätten, Reibungen zwischen den Interessen der öffentlichen Hand und denen der Privatwirtschaft auszugleichen und zu beseitigen. Preispolitisch neigen sie der Ansicht zu, daß zwischen Geld und Ware ein Gleichgewicht nur durch ein Ansteigen der Preise herbeigeführt werden könne, dies aber im Interesse der Allgemeinheit gezügelt werden müsse. Der Vorteil dieser Lösung sei auch darin zu sehen, daß Preissteigerungen ein Anreiz für die Produktion seien.

Das Gespenst der Preiserhöhungen hat seinen Schrecken verloren Die sensationellen Meldungen über Preissteigerungen gehören der Vergangenheit an. Sie betrafen Einzelfälle. Die Lebenshaltungskosten sind seit Ende Juni um nur wenig mehr als 10 Prozent gestiegen. Weitere Preiserhöhungen sind für knappe Produkte, wie Fleisch, und für einige einzuführende, wie Papier, zu erwarten; während dagegen die gute Ernte und das Ansteigen der Produktion vieler Gebrauchsgüter auf anderen Gebieten eine Preissenkung erhoffen läßt. Entsprechend sind die ersten Entscheidungen des Kontrollamtes. Die Preiskontrolle wurde wiedereingeführt für Fleisch, Sojabohnen und Erzeugnisse aus Baumwollsaat. dagegen endgültig aufgehoben für Getreide aller Art und für Molkereiprodukte.

Berechnungen besagen, daß bis zur Schaffung eines neuen Gleichgewichtes zwischen Erzeugung und Verbrauch (und damit bis zur Stabilisierung der neuen Preise) der Reallohn um etwa 17 Prozent fallen wird. Das läßt Streiks befürchten, aber diese Gefahr scheint gebannt zu sein, denn die CIO-Gewerkschaften, die bei der ersten Streikwelle führend waren, haben nach dem für sie ungünstigen Ausgang das Problematische der Streiks eingesehen und sind heute darauf bedacht, durch Produktionsausweitung und eine gewisse Überwachung der Preisbewegung den Reallohn eingermaßen zu halten. Bleiben Streiks aus, dann wird die USA-Wirtschaft in nächster Zeit im Zeichen einer fast beispiellosen Hochkonjunktur stehen.