Hoc erat in votis – so hebt Horazenz Fabel an; in der die Feldmaus das unübertreffliche Lob des kleinen ländlichen Besitzes und zugleich der genügsamen Bescheidenheit verkündet: jene Fabel, die vor kurzem in der "Zeit" mit einer modernen Variante erwähnt worden ist.

Doch braucht man nicht in das Reich der Fabel, zu den Alten zu gehen – selbst unsere trübe Gegenwart hat noch Menschen, die eine solch genügsame Welt, in der Zufriedenheit gedeiht, kennen, und die darum möglichst vielen die gleichen Lebensbedingungen schaffen wollen. Es sind die Kleinsiedler. Damals, als sie zu den ersten drei Millionen Arbeitslosen gehörten, als sie 1931 hinausgingen an die Stadtränder, um in Selbsthilfe kleine Häuschen zu errichten und ihre Gärten anzulegen, da wurden sie von denen belächelt, die ein bequemeres Leben, selbst in dürftigsten Wohnungen, vorzogen.

Leider ging nur einer von hundert Arbeitslosen diesen Weg. Das Reich wandte 83 Mill. RM, je Stelle etwa 2750 RM, auf. Die Gemeinden förderten. Selbsthilfe ließ die Arbeitslosen zu eigenem Nutzen Werte schaffen. So wurde gesundes und billiges Wohnen und Leben aus und in der Not begründet. 1933 wurden in der Fortführung alter Pläne weitere 48 000 Stellen finanziert und 1936/38 nochmals etwa 100 000.

Für den verstädterten Arbeiter und Angestellten bildete sich so eine Wohn- und Lebensform, die ihren Großeltern noch geläufig war, und die in Südwestdeutschland, mit größeren Wohnansprüchen, immer verbreitet geblieben ist. Die Hilfe des Staates, der Gemeinden war unerläßlich, wenn nicht bei den geringfügigen eigenen Mitteln Unzulängliches wie in Fischkisten- und Laubenkolonien entstehen sollte.

Diese staatlich geförderten Kleinsiedlungen, die mit besonderem rechtlichem und steuerlichem Schutz ausgestattet wurden, haben noch längst nicht die Beachtung gefunden, die sie verdienen. Sozialpolitik und Altersversorgung werden immer Stückwerk bleiben, wenn nicht dem Unterstützungsberechtigten ermöglicht wird, auch seine eigene Leistung, unabhängig von Arbeitsplatz und -lohn, zu seiner Lebenssicherung, zu einer besseren Lebenshaltung beizutragen, wie er es in der Kleinsiedlung kann.

Die Wandlung der Deutschen und ihrer Ziele wird hoffentlich jetzt endlich, was nach 1919 schon allgemeines Gebot der Stunde war, genügend Kräfte freimachen, um jedem kleinen Mann, der willens und fähig ist, zum eigenen Heim mit ausreichendem Garten zu verhelfen. Kein Einwand ist stichhaltig. Land gibt es selbst jetzt noch genug. Der marktwirtschaftliche Ausfall der Erzeugungsfläche wird wettgemacht durch den weitaus höheren Ertrag gärtnerischer Nutzung gegenüber der landwirtschaftlichen (bis zu 6 1/2fach, wie für die Heimstättensiedlung Goldstein genauere Untersuchungen feststellten). Der Mehrbedarf an Baustoffen ist vertretbar. Die menschlichen und sozialen Werte der Kleinsiedlung würden ganz andere Einsätze rechtfertigen, und nur um diese Werte geht es. Es ist immerhin eine wesentliche Wirkung, wenn nun nach bereits anderthalb Jahrzehnten die Siedler bekennen: Unser Weg war der richtige; ermöglicht ihn den Flüchtlingen, den Ausgebombten; wir wollen ihnen kameradschaftlich mit Rat und Tat helfen. – Zwar haben die Siedler selbst Note genug. Die Ausgebombten wollen aufbauen; sie brauchen Baustoffe und oft auch finanzielle Hilfe. Der Besitzübergang blieb in der Schwebe oder wird nun (selbst von gemeinnützigen Unternehmen) sehr eifrig betrieben, seitdem das Haus zerstört ist. Da und dort sind Baumängel und Grundwassernöte selbst Gemeinden und den Organen der staatlichen Wohnungspolitik vorzuhalten. Es fehlt Torf, um den Stickstoff in tierischem und menschlichem Dung zu binden; es fehlt fast alles zur Instandhaltung der Dächer, des Holzes; es mangelt an Konservierungsgerät.

Dies aus dem Inhalt der Tagung, auf der Anfang August für 60 000 Siedler in der britischen Zone ein Bund neu erstand. Aber über allem: Hoc erat in votis. Eine Insel in aller Trübsal und eine Lehre,