Ein englischer Film in deutscher Sprache

Zum erstenmal sah man im Waterloo-Kino, Hamburg, wieder einen englischen Film in deutscher Sprache. Es mag auch in diesem Fall an den Schwierigkeiten des Neuaufbaues liegen, daß diese Synchronisation nicht an die hervorragenden deutschen Leistungen heranreicht, die wir einst zu erleben gewohnt waren. Es war um so mehr enttäuschend, da dieser Film "Begegnung" vom Dialog lebt. Das Publikum machte sich nicht die Mühe, die starke Konzentration aufzubringen, die nötig war, um der Handlung zu folgen. Es ging in hellen Scharen weg und nahm auch die geringste Gelegenheit beim Schopf, in ein schallendes Gelächter auszubrechen, um wenigstens dadurch auf seine Kosten zu kommen.

Das lag zum nicht geringen Teil allerdings auch an dem Film selbst, der sich wieder durch originelle, vom bildmäßigen herkommende herrliche Einfälle auszeichnete, aber in der Anlage durch zwar absichtliche, aber langweilige rotierende Wiederholungen und Dialogpausen, die nur von dem Surren der Vorführungsmaschine und von dem zufälligen Regen auf das Kinodach tonmäßig untermalt waren, lähmend wirkte;

Es war von der Regie her ebenso hervorragend wie ungewöhnlich, daß die Hauptdarsteller dieser, alltäglichen Geschichte einer Ehekrise keine Filmhelden, sondern Menschen des Alltags von gewöhnlichem Äußern waren. Dadurch verdichtete sich die Atmosphäre, aber sie verdichtete sich so einseitig auf dick aufgetragene Sentiments und Banalitäten, daß sie beinahe peinlich wurde. Man vermißte den unvergleichlichen englischen Humor, der in "Blithe Spirit", dem anderen in Hamburg gezeigten Film des gleichen Autors und Regisseurs Noel Coward so freundlich leuchtete. Ganz offensichtlich offenbart sich vor diesem Film die Verschiedenheit der deutschen und der englischen Mentalität. Man war in Hamburg peinlich berührt und rettete sich in freiendes Gelächter. Obwohl auf interessanten neuen Wegen und von künstlerischem Willen getragen, kam der Film nicht zu seinem Ziel, da die diffizile Psychologie dieses Kammerspiels und die filmischen Mittel nicht zusammenklangen.

Erika Müller