Zur Stärkung des deutschen Fischfanges sind 147 kleinere Minenfahrzeuge von Großbritannien zurückgegeben worden Sie sind zum Teil schon in der Fischerei eingesetzt.

Normalerweise herrscht in der Welt Nahrungsmittelüberfluß. Diese Feststellung nützt uns im Augenblick zwar wenig, aber sie kann uns doch ein gewisser Trost für die Zukunft sein, denn eines Tages löst sich jede Mangelkrise wieder auf. (Kenner des Weizenmarktes erwarten bereits für 1948. vielleicht sogar schon für den Herbst 1947 eine Überangebotskrise .) So erklärt sich auch, daß lange nicht alle Ernährungsquellen die sich darbieten. voll ausgenutzt werden Geschmacksrichtungen und ökonomische Überlegungen lassen manches ungenutzt Die Seefischerei ist ein guter Beweis dafür, denn die Meere sind bis jetzt nur zu Bruchteilen ihrer „Ertragsfähigkeit“ für die menschliche Ernährung herangezogen worden

Heute möchten wir – und andere Völker – verstärkt auf den Fischreichtum zurückgreifen, der sich durch die Schonung während der Kriegsjahre noch vermehrt hat. Aber es fehlt an Fischereifahrzeugen, deren Bau Geld und vor allem auch Zeit kostet, und die schließlich erst betriebsfertig werden. wenn die Notzeiten vorbei sind Freilich wird das nicht für Deutschland gelten, das gerade als Zusatzquelle seiner schmaler gewordenen Ernährungsbasis auf den Fischverzehr – schon des Fett- und Eiweißgehaltes wegen – größeres Gewicht als früher legen muß Aber hier treffen wir auf ein anderes Handikap Deutschland ist, wenigstens zunächst, der Bau – starker. Fischdampfer, wie man sie für die – Fischerei auf den ergiebigsten Fischereigründen braucht, versagt aus Gründen der Rüstungsbeschränkung, weil sich Fischdampfer für den Einsatz als Minenfahrzeuge usw eignen.

Gegenwärtig stehen nur 122 Fischdampfer zur Verfügung gegen 365 vor dem Kriege, und die Anlandungen haben sich mehr auf die Fischkutter verlagert Aber sie kommen insgesamt trotz erfreulicher Steigerung in den letzten Monaten erst auf Rund 30 v. H. des Volumens von 1939. Die höchsten Anlandungen hat 1938 mit 800 000 Tonnen gebracht; zum ersten Male konnte damals auf Einfahren im wesentlichen verzichtet werden. Heute sind die Einfuhren beinahe so hoch wie die Eigenfänge.

Die Seefischerei als wichtige Nahrungsmittelindustrie sollte wenn man eine Art von „Dringlichkeitsstufen“ für die Einfuhr festsetzt, den gleichen Rang der Ausbauwürdigkeit erhalten wie die Landwirtschaft. Dazu gehört freilich die Ausnutzung der ertragreichen Fischgründe, der Nordsee als Hauptheringsfanggebiet, Neufundlands, Islands der Barentssee, der Lofoten. Die nördliche Erdhalbkugel mit ihren breiten Schelfrändern d. h. den flachen, der Küste vorgelagerten Seegebieten, bietet die ergiebigsten Fischgründe Auf sie entfallen denn auch vier Fünftel der gesamten Weltausbeute an Fischen. Sie ist in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen. Aber nicht Ernährungsgründe allein waren hierfür entscheidend, sondern die industrielle Verwertung der Fische. Es ging um die Öle und Fette, um eiweißhaltige Futtermittel und um Düngemittel Große Fischereien sind ausdrücklich zu diesem Zweck entwickelt worden, besonders in Nordamerika und in Ostasien Die Vereinigten Staaten beispielsweise mit ihrem hohen Überschuß an Nahrungsmitteln nehmen einen ganz anderen Standpunkt dem Fisch gegenüber ein als die Europäer. Ihnen ist der Fisch mehr Genuß- als Nahrungsmittel. Deshalb bevorzugen sie Lachs. Thunfisch und Heilbutt, lassen aber die bei uns wegen ihres Eiweiß- und Fettgehaltes so geschätzten Heringe und Sardinen fast ganz in die Öl- und Düngerfabriken wandern.

Auch in Europa erfreut sich der Fisch recht unterschiedlicher Schätzung. England und Norwegen marschieren im Fischverzehr – und im Fischfang – an erster Stelle, Deutschland war auf dem besten Wege, Großverbraucher zu werden, wenn sich auch ein deutliches Gefälle von der Küste zum Binnenland zeigte. Jedoch war das weitgehend bedingt durch die Schwierigkeiten der Frischhaltung während des Transportes. Je besser sich hier die Dinge gestalteten, je größer wurde der Konsum. Er ist seit 1913 bis 1938 von 6,3 kg jährlich je Kopf der Bevölkerung auf 13,5 kg gestiegen, hat sich also mehr als verdoppelt Er ließe sich noch weiter erhöhen, wenn die notwendigen Fangvoraussetzungen geschaffen würden. Sie fordern gebieterisch den Ausbau der Fischdampferflotte. Unverständlich bleibt es, daß mit den Anlagen von Blohm & Voß 31 Fischereifahrzeuge gesprengt worden sind, während kurz vorher noch der Bau von 16 Fischkuttern mit der ausdrücklichen Begründung freigegeben worden war, daß eine Stärkung des Fischfanges lebenswichtig sei.

In den drei Hauptfischereihäfen der Nordseeküste – Hamburg Cuxhaven und Wesermünde – betrugen die Umsätze in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 136.4 Mill. kg mit 64.1 Mill RM. Dabei hat sich in der letzten Zeit eine gewisse Arbeitsteilung zwischen den Plätzen herausgebt det: Hamburg als Markt für Nordseedampferware mit qualitativ am höchsten liegendem ., Fang, Wesermünde der Platz für die Anlandungen der Islandfänge und Cuxhaven für Ware von der Bäreninsel, aber auch für Fänge aus der Nordsee und von Island. Weiter ist bemerkenswert die steigende Bedeutung der Hochseekutteranlandungen in Wesermünde und Cuxhaven Auch preismäßig sind die Unterschiede beachtlich Die Zufuhren von den Bäreninseln liegen mit 26 Rpf. je Kilogramm (am Juliergebnis gemessen) am niedrigsten Islandware brachte es auf 29 und 32 Rpf. durch höhere Schellfisch- und Kabeljaufänge