Die Entgegnung: „Stockwerkseigentum? – Nein!‘ – in Nr. 21 der „Zeit“ habe ich erst jetzt zu Gesicht bekommen, da leider hier die „Zeit“ selten zu haben ist. Dr. J. Nusseck lehnt die Wiederbelebung des Stockwerkseigentums als eine „mittelalterliche Einrichtung“ ab und auch deshalb, weil es eine Mehrbelastung der Grundbuchämter, Grundsteuerämter und Versicherungen und eine Zersplitterung des Grundbesitzes mit sich bringe.

Ich kann diesen Ausführungen nicht beitreten. Es gibt Einrichtungen, die in alten Zeiten nützlich und angebracht waren, die aber im Laufe der Zeit überalterten und dann abgeschafft wurden Neue Zeiten können es aber mit sich bringen, daß derartige Einrichtungen wieder aus der Vergessenheit hervorgeholt werden und modernisiert recht erhebliche Vorteile haben können. So ist es auch mit dem Stockwerkseigentum. Die Anregung zu meinem Vorschlag ging ja davon aus (was Dr. Nusseck übersieht), daß in den westlichen Ländern im Laufe der letzten zwanzig Jahre das Stockwerkseigentum zu ungeahnter Blüte gekommen ist ZahlreicheBaublocks sind lediglich auf der Basis des Stockwerks-’ eigentums errichtet worden. Die Wohnungen, die mit allem Komfort der Neuzeit erstellt worden sind, haben reißenden Absatz gefunden. Gerade Leute, die nur über geringe Kapitalien verfügen und sich keine Villa leisten können oder wollen, kaufen sich eine Wohnung und sind dann Eigentümer geworden, ohne daß eine Genossenschaft dazwischengeschaltet ist.

Haben sie nicht genug Geld, so können sie eine Hypothek auf ihre Wohnung aufnehmen. Die Verwaltungsschwierigkeiten sind nicht unüberwindlich, und ich sehe nicht ein, daß sich eine Einrichtung, die sich in anderen Ländern bewährt hat, nicht auch bei uns bewahren kann. Gerade mit Rücksicht auf die Verarmung, die ja erst nach der Währungsreform zutage treten wird, muß es auch Leuten mit kleinen Kapitalien ermöglicht werden, sich ein „eigenes Heim“ zu errichten, ohne daß sie in die Vororte verwiesen werden, wobei sie die überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel benutzen müssen. Die Zeit, daß sich ein Privatmann ein Auto halten kann, liegt m. E. in Deutschland in weiter Ferne. Man braucht es ja nicht so weit zu treiben, wie in Rumänien, wo es sogar Eigentum an einzelnen Zimmern in den großen „Buildings“ zu kaufen gibt.

Nachdem ich meinen Aufsatz der „Zeit“ eingereicht hatte, las ich eine Mitteilung aus Stuttgart, daß sich dort eine Gesellschaft gegründet habe, die dort nach Erlaß der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen sich mit der Errichtung von Wohnungen in Form des Stockwerkseigentums befassen will; also auch in Süddeutschland lebt der Gedanke des Stockwerkseigentums wieder auf.

Für diejenigen, die sich Wohnungen über die Baugenossenschaft beschaffen wollen, soll ja dieses nicht ausgeschlossen werden. Es sollen eben alle Wege beschritten werden, die die Heranziehung: von Kapitalien zur Wohnungsbauförderung ermöglichen.

Oberstadtdirektor Berting (Solingen)