Der Verlust an Werten, den das dänische Volksvermögen durch Besetzung und Krieg erlitten hat, wird vom Finanzministerium auf 7 Milliarden Kronen berechnet. Auf dem Preisniveau von 1939 setzen sich die Beträge wie folgt zusammen: Aufbrauchen der Warenlager 1 Milliarde, ausgebliebene Wohnungsbauinvestierungen 1,5 Milliarde, Wiederherstellung der Wege 0,2 Milliarden, Eigentumsschaden einschließlich Bombenschaden und Sabotage 0,4 Milliarden, Schiffsverluste 0,2 Milliarden. Ausbeutung der Wälder, Torfmoore und Braunkohlengruben 0,25 Milliarden und Wiederaufbau der Landesverteidigung 0,5 Milliarden, das sind zusammen 4,05 Milliarden, die, auf das heutige Preisniveau umgerechnet, 7 Milliarden entsprechen.

Dabei sind die Besatzungskosten (4,8 Milliarden) und das deutsch-dänische Clearingkonto mit 3 Milliarden schon abgeschrieben. Der Verlust entspricht dem Wert der dänischen Arbeit in acht Monaten bei dem heutigen Beschäftigungs- und Exportstand. Dieser an sich hohe Verlust ist aber zum Teil nur buchmäßig vorhanden, und der Referent des Finanzministeriums sieht keine Schwierigkeiten beim Wiederaufbau, „wenn Dänemark eine vernünftige Politik führt und die Streiks sein läßt“. Das Arbeitstempo, so heißt es, sei mäßig, und man lebe leider noch in Illusionen.

Das äußere Bild Dänemarks ist heute ganz friedensmäßig, nur die Rationierung von Textilien und Benzin sowie der Mangel an Kraftwagen sind Fakten, die an den Krieg erinnern.

Die Industrie Dänemarks überstand den Krieg intakt und die Landwirtschaft hat eine beträchtliche Produktion behalten. Gegenwärtig ist die Preisfrage akut: England ist nicht gewillt, sich auf feste Preisverträge auf lange Sicht festzulegen, und so geht die Landwirtschaft zu kurzfristigen Vertragen bei relativ hohen Preisen und damit zur Abhängigkeit von den Schwankungen des Weltmarktes über. Bei Mangel an Futtermitteln und Kunstdünger wird sich die gegenwärtige Höhe der Produktion nicht halten lassen. Auch die von Rußland in den letzten Verhandlungen in Moskau in den Vordergrund gebrachte Frage des baldigen Exports von Lebensmitteln ist von der Lieferung von Futtermitteln abhängig gemacht worden. Für diese Lieferungen aus dem Sowjetgebiet sind von den Russen allerdings solche Preise gefordert worden, daß deutlich der Wille zur Ablehnung dieses Geschäfts zu erkennen war.

Das große Angebot an Fleisch ist auf starke Schlachtungen zurückzuführen und hängt mit den fehlenden Einfuhren an Futtermitteln zusammen; die Produktion an Butter, Speck, Eiern und Schweinefleisch liegt weit unter dem Vorkriegsstand. Während sich die Bestände an Rindvieh kaum verringert haben (gegenüber dem Jahr 1938 hat das Land immer noch 97 v. H. des damaligen Bestandes), Ist die Zahl der Schweine auf 52 v. H. gesunken, in erster Linie wegen Futtermangels. Die Fleisch-, produktion überschreitet den Vorkriegsstand: digegen hat die Erzeugung an Butter erst die Hälfte. die an Eiern, an Schweinefleisch und an Schmalz erst 60 v.H. erreicht. Der Absatz in die Gebiete des Sterlingblocks ist durch eine Kurssteigerung der Krone weiter erschwert worden, (Im Juni 1945 zahlte man 22.40 Kronen für das Pfund Sterling, im Mai 1946 nur 19.34).

In der Währungsfrage verlangen die der Landwirtschaft und dem Export nahestehenden Kreise eine Senkung des Kurses, um für die Sterlingeinnahmen größere Kronenbeträge einzunehmen. Industrie und Gewerkschaften befürworten aber eine Hebung des Kronenkurses und damit eine Nachahmung der schwedischen Kronenpolitik. Da der Wert der Einfuhren den der Ausfuhr um das Doppelte übersteigt, könne Dänemark die unentbehrlichen Einfuhrwaren billiger erhalten. 15 Millionen Kronen würden zwar weniger eingenommen, aber dadurch 30 Millionen Kronen bei der Einfuhr eingespart werden.

In der Industrie hat die Produktion ebenfalls das Vorkriegsniveau fast erreicht (Produktionsindex gleich 103 gegenüber 109 im Jahre 1938). Schon im Kriege ist es zu einem Ausbau der Elektrifizierung gekommen, von einer Monatsleistung von 77 Millionen Kilowattstunden im Jahre 1938 auf 97.6 Millionen jetzt, und zwar wegen der Kohlenlage. Die erneute Kürzung der Kohlenzuteilungen auf 194 000 Tonnen, infolge Verringerung der USA-Importe, zwingt zu weiterer Ausnutzung der Torflager und der geringen Braunkohlenvorräte. In der Industrie sind mehr Arbeiter als vor dem Kriege beschäftigt; auf 1000 Arbeiter kommen nur noch 9,7 Arbeitslose gegenüber 21.4 im Jahre 1938. Die Flut von Streiks ist Gegenstand ernster Sorge, besonders wegen der sich aus den Lohnerhöhungen ergebenden Schwierigkeiten im Export. Bisher haben sich die Löhne um 54 v. H. erhöht (gegenüber dem Stand von 1938); der Preisindex stieg von 112 (1938) auf 204.