Zur Erhaltung. Vermehrung, Sichtung, Zuteilung und besseren Ausnutzung des vorhandenen Wohnraums hat der Kontrollrat ein neues Wohnungsgesetz, das Gesetz Nr. 18, erlassen. Dies Gesetz tritt an die Stelle der Verordnung zur Wohnraumlenkung vom 27. Februar 1943, die aufgehoben wird. Ebenso werden alle anderen deutschen gesetzlichen Wohnungsregelungen, die in Widerspruch zu dem neuen Gesetz stehen, ungültig.

Die zum Vollzug des neuen Wohnungsgesetzes erforderlichen Maßnahmen und Anordnungen obliegen den deutschen örtlichen Behörden (Gemeinden, Gemeindeverbänden und Kreisen). Die übergeordneten Dienststellen haben die Aufsicht. Alle deutschen Wohnungsbehörden unterliegen der Aufsicht, den Anweisungen und Anordnungen der Militärregierung.

Die einschneidendste Bestimmung des neuen Wohnungsgesetzes ist die den deutschen Behörden erteilte Ermächtigung, einen Wohnungstausch anzuordnen, wenn dies eine bessere Verteilung des Wohnraumes bedeutet.

Der Ausdruck „Wohnraum“ umfaßt jeden Raum, der gegen Witterungseinflüsse geschützt ist, über hinreichende Beleuchtung, über Luft- und Wasserzuführung verfügt und für den sanitäre Einrichtungen zugänglich sind. Er umfaßt nicht Badezimmer, Flure, Treppenhäuser, Kuchen mit einem Flächenraum unter 10 qm und die ersten 10 qm größerer Küchen.

„Wohnung“ bedeutet ein ganzes Wohngebäude oder jeden Teil eines solchen, der einen selbständigen Miet- oder Untermietbesitz darstellt oder vom Eigentümer bewohnt wird.

Die Auswirkung der den Wohnungsbehörden erteilten Ermächtigung, einen Zwangstausch anzuordnen, macht man sich am besten an einigen Beispielen klar. Einem kinderlosen Ehepaar, das eine Wohnung von zwei großen Zimmern mit Küche bewohnt, kann im Wege des Zwangstausches eine kleinere Wohnung unter Mitbenutzung einer über 10 qm großen Küche zugewiesen werden, um deren Wohnung für eine kinderreiche Familie freizumachen. Ebenso kann z. B. ein Untermieter, der einen großen Raum bewohnt, gezwungen werden, diesen gegen einen kleineren Raum zugunsten einer Familie zu tauschen. Ein Zwangstausch kann sowohl innerhalb desselben Hauses als auch zwischen verschiedenen Häusern angeordnet werden. Die Umzugskosten haben die Betroffenen selbst zu tragen.

Die zuständigen deutschen Behörden können jeden zur Anwendung des neuen Wohnungsgesetzes erforderlichen Wohnraum erfassen. Die Erfassung erfolgt durch Zustellung einer schriftlichen Mitteilung an den Hauseigentümer und den jeweiligen Inhaber des Wohnraumes. Falls dies praktisch nicht durchführbar ist, kann die Erfassung auch durch Anschlag der schriftlichen Mitteilung an einer deutlich sichtbaren Stelle des zu erfassenden Wohnraumes erfolgen; Der Betroffene kann innerhalb einer Frist von drei Tagen nach Zustellung oder Anschlag der Mitteilung Beschwerde bei der Wohnungsbehörde, die die Erfassung angeordnet hat, einlegen. Falls die Behörde der Beschwerde nicht abhilft, muß sie diese der Aufsichtsbehörde zur Entscheidung vorlegen. Die Beschwerde hat jedoch keine aufschiebende Wirkung, d. h. die Durchführung der angeordneten Maßnahmen wird durch die Beschwerde nicht gehemmt.