Kurz vor ihrer Schließung hat die „Frankfurter Zeitung“ eine nachdenkliche Betrachtung veröffentlicht über die Existenzmöglichkeiten für die vielen alleinstehenden Frauen, die der Krieg einmal übriglassen werde. Ist es sinnvoll, so wurde gefragt, daß all die unzähligen vereinsamten Frauen, die den Ehemann, den Sohn, den Verlobten oder auch den Vater verloren haben und deren Eheaussichten (falls sie überhaupt heiraten oder wiederheiraten wollen) denkbar gering geworden sind, den Rest ihres Lebens als „möblierte Mieter“ verbringen müssen? Und es wurde angeregt, wenigstens einen Teil dieser Frauen und Mädchen vor solch einer unbefriedigenden Daseinsform in der Isolierung zu bewahren: etwa dadurch, daß man ihnen die Möglichkeit eröffne, sich in loseren oder festeren Lebensgemeinschaften zu gegenseitiger Hilfe zusammenzufinden. Der Verfasser erinnerte dabei an die nach ähnlichen Notzeiten entstandenen Gemeinschaften der Beginen, die geschaffen wurden, um unversorgten Frauen das Dasein zu erleichtern – in einem freiwilligen Zusammenschluß nach Art der kirchlichen Orden, wenn auch freilich nicht, gleich diesen, durch strenge Regel und durch Gelübde gebunden.

Es ist an der Zeit, diese Anregung wieder aufzunehmen. Viel größer, als früher je zu vermuten war, ist die Zahl der alleinstehenden Frauen und Mädchen, besonders unter den Ostflüchtlingen, in deren Reihen höchstens nur zehn arbeitsfähige Männer auf hundert Entwurzelte kommen – „Familientrümmer“ oder „Trümmerfamilien“ überwiegen weitaus, und unter ihnen wiederum die älteren und jüngeren Frauen, die keinen Rückhalt mehr an einer in Eigentum oder Erwerb stehenden und ortsansässigen Familie haben. Da man auf absehbare Zeit hinaus nicht daran denken kann, genügend Wohnraum für alle zu schaffen, wird also für Jahre und Jahrzehnte der Zustand der Zwangseinquartierungen bestehen bleiben: das engste Zusammenwohnen von Menschen, die keine verwandtschaftlichen und größtenteils noch nicht einmal landschaftliche Bindungen untereinander haben, die getrennte Wirtschaftsführung von zwei, drei und mehr „Parteien“ in Wohnungen, die nur auf einen einzigen Haushalt zugeschnitten sind (und das bei „Parteien“, die vielfach nur aus Einzel-’ Personen bestehen!) und, Schrecken aller Hausfrauen, die gemeinsame Küchenbenutzung.

Was geschehen kann, um hier eine Entlastung zu bringen, das sollte auch geschehen. Wir wissen, daß die Lösung, die Flüchtlinge und Ausgebombten auf eine „Volksküchenverpflegung“ zu verweisen, als unbefriedigend empfunden wird, weil jede Frau bestrebt ist, daß wenige, daß ihr an Lebensmitteln zugewiesen wird, möglichst selbst zu „bewirtschaften“. Anderseits wissen wir auch aus den Erfahrungen des Krieges, daß der „große Topf“ mehr besseres und schmackhafteres Essen liefern kann – vorausgesetzt, daß der Koch ehrlich und gewissenhaft arbeitet – als jede Einzeltöpfchenwirtschaft. Es liegt also nahe, zu freiwilligen Kochgemeinschaften auf, der Basis gegenseitigen Vertrauens zu kommen, wofür wiederum freiwillige Wohn- und Lebensgemeinschaften, nach Art der Beginen, die Voraussetzungen wären. Das ist noch keine Lösung, die schon heute oder morgen in fühlbarem Maße wirksam werden könnte – es ist. vorerst nur eine Idee, die beim Wiederaufbau des Wohnraumes zu berücksichtigen wäre.

In der Sowjetzone hat sich Frau Mattern, Vizepräsidentin der „Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge“, dafür eingesetzt, daß Ledigenheime für alleinstehende „Rückkehrer“ (also „Verdrängte“ oder Ostflüchtlinge) geschaffen werden sollen sowohl für „Burschen“ und ledige Männer als auch für berufstätige Frauen. In den Westzonen wird man ähnliche Gedanken erwägen müssen, ohne daß man sich von vornherein auf die Berufstätigen beschränken sollte. J. P. H.