Griechenland, das Land der Amphiktyonien, die Urheimat der UNO, ist noch einmal im Zusammenhang mit dem Volksentscheid über die Rückkehr des Königs Georg II. in den Mittelpunkt des Welt-Interesses gerückt. Die Volksabstimmung führte zu heftigen Debatten in der Weltfriedenskonferenz, im Weltsicherungsrat, in der UNO. Ein Zeichen, daß es (ich hier vor allem um ein außenpolitisches Problem handelte. Führende Politiker reisten plötzlich ab, Botschafter wurden abberufen, ganze Flotten statteten freundschaftliche Besuche ab, während die bekannten Grenzstreitigkeiten und Minoritäten-Fragen wieder auf der Tagesordnung standen. Während sich das griechische Heer im Aufbau befindet, hält Jugoslawien 300 000 Mann, Bulgarien 150 000 unter Waffen und Albanien ein größeres Kontingent an der griechischen Grenze. Das ukrainische Vorgehen, die Haltung Belgrads und die Vorwürfe Albaniens erinnern wieder an die Umtriebe Mussolinis in Rom am Vorabend der italienischen Invasion im Oktober 1940. Griechenland stand im letzten Jahrhundert im Mittelpunkt der Orient- und Mittelmeerinteressen der europäischen Mächte. Was die Lage Griechenlands besonders schwierig gestaltet, ist vor allem die Tatsache, daß hier die Interessen der verschiedenen europäischen Mächte fest immer in direkter Verbindung mit der innerpolitischen Lage des Landes gestanden haben. Das Verhältnis der innerpolitischen Auseinandersetzungen zu jenen Interessen der internationalen Politik ist im Laufe der letzten Jahrzehnte vor allem in der Frage der Verfassung, Jahrzehnte oder Monarchie, zum Ausdruck gekommen. Über diese Frage hat das griechische Volk am 1. September Frage eutschieden.

Die Monarchie, die kurz nach dem historischen Befreiungskampf des griechischen Volkes eingeführt worden war, ist nach Anbruch der Venizelos-Ära im Jahre 1924 zugunsten der Republik abgeschafft worden. Im Jahre 1935 hat jedoch General Kondylis auf Grund einer Volksabstimmung den König zurückgerufen und damit einer Zeit langjähriger innerpolitischerAuseinandersetzungen formal ein Ende bereitet, während General Metaxas kurz darauf versuchte, wieder Ruhe und Ordnung im Lande herzustellen; Dieses Vorgehen, das später dem König von Seiten der demokratischen Elemente des Landes den Vorwurf eintrug, er habe eine diktatorische Regierung eingeführt, war in erster Linie der Grund für die Durchführung der neuen Volksabstimmung über die Frage der Rückkehr des Königs.

Innenpolitisch standen Monarchisten, Republikaner und Sozialisten durch regste Beteiligung an der Volksabstimmung im schärfsten Kampf gegeneinander. Die Volkspartei trat eindeutig für die Monarchie ein, während die Gruppe der verschiedenen demokratischen Parteien, die aus der Widerstandsbewegung entstandene EAM und sonstige kleine Linksgruppen und, die Kommunisten die Republik forderten. Die loyaleHaltung des Königs nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges und die sehrradikale Einstellung der neuen Linksparteien haben dazu beigetragen, daß das Volk sich zur Wiederherstellung seiner inneren Ruhe und zur Sicherung seiner nationalen Existens für die Rückkehr des Königs entschieden hat. Außenpolitische Gründe können das Ergebnis dieser Volksabstimmung am ehesten verständlich machen: Bulgarien, das den ganzen Krieg über an der Seite der Achsenmächte gestanden hat, und während des Krieges griechische Gebiete völkerrechtswidrig besetzt hielt, verlangt mit Unterstützung des slawisch-kommunistischen Blocks die Abtretung griechischer Gebiete. Die kommunistische Richtung in Griechenland hatte deswegen einen schweren Stand, denn der slawisch-kommunistische Block stand den berechtigten außenpolitischen Ansprüchen Griechenlands, z. B. in bezug auf Nordepirüs sehr ablehnend gegenüber. Der scharfe Angriff, den die EAM gegen die Monarchisten führte, charakterisierte in der Volksabstimmung deutlich den Sinn der überwältigenden Mehrheit für den König. Es ist sehr wahrscheinlich, daß sich auch viele Demokraten aus ähnlichen Gründen: für die Monarchie entschieden. –

Der König erhielt ca. 70 v. H. der abgegebenen Stimmen. Das Ergebnis der Wahlen wird von den inneren und äußeren Gegnern des Regimes als Schwindel bezeichnet. Hat dieser Zweifel eine Berechtigung oder ist er nur die Rechtfertigung derjenigen, die in der Volksabstimmung unterlagen? Oder sollte etwa die einwandfreie Durchführung einer Volksabstimmung unmöglich sein, wenn in einem Lande fremde Truppen stationiert sind? Die inoffiziellen Beobachter aus USA, England und Frankreich, haben die Durchführung der Wahlen als durchaus korrekt bezeichnet.

Entscheidend ist heute die Frage Bedeutet dieses Wahlergebnis tatsächlich Sicherung und Ruhe für das Land sowie äußeren und inneren Frieden Die erste Frage hängt von der Lösung der allgemeine europäischen Frage, das heißt den Spannungen zwischen den angelsächsischen Mächten und der Sowjetunion ab, wie sie im Hinblick auf Griechenland. Triest oder die Dardanellen zum Ausdruck kommen. Die Beantwortung der zweiten Frage hängt zweifellos davon ab. inwieweit die Regierung des zurückkehrenden Königs nach demokratischen Verfassungsgrundsätzen ausgeübt werden wird.

Wer die Entwicklung der politischen Verhältnisse in Griechenland in den letzten Jahrzehnten und das Wechseln der breiten griechischen öffentlichen Meinung kennt – man erinnert sich an die republikanische Welle des Jahres 1943 vernahm mit einer gewissen Skepsis das Ergebnis der griechischen Volksabstimmung. Viel wird von der zukünftigen Haltung der die nationalen Interessen des Landes unterstützenden Regierungspartei von Tsaldaris und der Weisheit des überparteilichen Königs abhängen. Gerade in Griechenland istimmer wieder bewiesen worden, daß die Lösung eines solchen Problems nicht von einem Wahlerfolg abhängt. Das Land bedarf vor allem eines wirtschaftlichen Neuaufbaues und die soziale Lage des Volkes einer entscheidenden Besserung. K.