Von Rudolf Krämer

Hochgeliebte Freunde,

ihr seht mich allein zurückgekehrt von der Fahrt, die wir zu siebent unternahmen. Die Hinfahrt endete in einer Katastrophe: außer mir fanden alle beim Aufprall auf dem fremden Planeten den Tod. Herbeigeführt wurde das Unglück durch geringe Fehler unserer Berechnungen über die Dichte der Lufthülle um den Planeten, den wir zu besuchen uns vorgenommen hatten.

Inwiefern sich die Wesen, – welche die Erde – so kürzen sie die Beschreibung ihres Planeten ab – beherrschen, von uns unterscheiden, könnt ihr leicht an dem einen abnehmen, den ich mitgebracht habe und der auf das kurze Wort Piccard hört. Ein jeder von ihnen führt so ein Wort mit sich. Sie sagen, das sei ihr Name. Es ist ihre sonderliche Leidenschaft, jedem Wesen und Ding einen Namen anzuhängen, dann wieder in Gruppen zu sammeln und jede Gruppe zu benamen, und so fort, bis sie zu jenen Begriffen gelangen, die sie abstrakt nennen. Ihr werdet verwundert fragen, warum sie das tun.

Ich schicke aber diese Beobachtung voraus, um euch auf ihr schwer begreifliches Wesen vorzubereiten und um verständlich zu machen, warum ich mich dort so viel anders betrug, als wir hier zu tun gewohnt sind. Ich verbarg die erstarrten Freunde unter Pflanzen, Grund und Steinen und tat desgleichen mit den zerbrochenen Stücken des Fahrgerätes, das wir uns nach vielem Denken und Rechnen gebaut hatten. Dann lebte ich eine Zeitlang bei Wesen, die das Feld bebauen und die sich Bauern nennen. Ich ging dann Stufe um Stufe zu andern Bildungen vor und gelangte allmählich zu denen, die sich die Gebildeten nennen. Allen gemeinsam ist der Name „Mensch“. Wiederum werdet ihr verwundert fragen, warum ich so stufenweise vorschritt und beharrlich verschwieg, wer ich war und wo ich herkam. Ihr seht, daß ich damit eine menschliche Eigenschaft ausübte, die wir nicht kennen und die sie Vorsicht nennen. Auch dies bleibe zunächst unaufgeklärt.

Jetzt erst will ich den Schlüssel zeigen, den ich zum Verständnis jener Wesen an ihnen entdeckte. Nach jener Spanne Zeit, die unsere Neugeborenen nötig haben, um ihre Kräfte zu schärfen zur Erkenntnis alles dessen, was uns umgibt, um die Zeit also, wo unseresgleichen eine besondere Tätigkeit beginnt, um diese Zeit legen sich die Menschen nieder und sterben. Was bei uns nur wenigen und selten geschieht, muß ein jeder von ihnen erleiden. Sie wissen es, und daher rührt ihr Unglück und ihre Verwirrung. Daher rührt auch manch Begehrenswerte an ihnen, das wir nicht besitzen.

Alles, was sie tun und wie sie es tun, ist von der Furcht bestimmt, daß es bald zu Ende sein wird. Ich habe Jünglinge sterben sehen, die klagten, daß sie gehen müßten, ohne etwas vollbracht zu haben; ich habe Väter und Mütter sterben sehen, traurig darüber, daß sie zu früh von ihren Kindern scheiden sollten; ich habe ältere Menschen sterben sieben, die endlich ein wenig Ruhe zu gewinnen gehofft hatten; und einen Kriegshäuptling nahe der Grenze menschlicher Lebensfähigkeit sah ich verbluten, der den Lebensabend heiter zu genießen sich vorgesetzt hatte. Was sie an Großem und Schönem je tun, geschieht in einer Gesinnung, die sie Leidenschaft nennen, einer Art heftigen, eiligen und mörderischen Strebens, oder wie ich sagen möchte, in der rasenden Angst vor dem Ende. Sie fürchten, stets, zu spät zu kommen. Im Mitmenschen sehen sie, wenn sie so rasen, nichts anderes als ein Hindernis. Und da sie solchermaßen in Angst vor dem Tode leben, bringen sie oft einer den andern um. Dies geschieht in großen Tumulten, welche sie Kriege nennen, die von großen Gauklern hervorgerufen werden im Namen irgendeines Zwecks, den sie einer Gruppe von Menschen als eilig und von andern behindert darstellen. Dabei sterben die meisten ahnungslos. Sie erreichen selten das Gewollte, und meist ist es so entstellt, daß nur wieder Gaukler es zu nützen wissen.