Der USA-Handelsminister Wallace hat sich in einer Rede vom 12. d. M. für eine Distanzierung der USA von Großbritannien und für ein größeres Verständnis für die sowjetrussische Politik eingesetzt. – Präsident Truman ist auf einer Pressekonferenz von Wallace abgerückt.

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Molotow hat zu der von Byrnes aufgeworfenen Frage der deutschen Ostgrenze in einem Interview mit dem Pariser Korrespondenten der Amtlichen Polnischen Presseagentur Stellung genommen. Er erklärte, daß die polnische Westgrenze bereits auf der Potsdamer Konferenz festgelegt worden sei. Diese Entscheidung erwarte jetzt nur noch ihre formelle Bestätigung auf der künftigen Konferenz über den Friedensvertrag mit Deutschland. Seit mehr als einem Jahr verlaufe die westliche Grenze Polens entlang der Linie Swinemünde-Oder-Neiße.

Winston Churchill wird in Zürich über Gegenwart und Zukunft Europas sprechen, wobei er auf die Pläne eingehen wird, die Außenminister Byrnes in seiner Stuttgarter Rede über die zukünftige Stellung Deutschlands bekanntgegeben hat.

Die Beratungen der Ausschüsse der Pariser Friedenskonferenz sollen bis zum 5. Oktober abgeschlossen sein. Der südafrikanische Delegierte Egeland erklärte allerdings, daß dann die Triester Frage schon in der vergangenen Woche hätte erledigt sein müssen.

In einer Rede vor dem Italien- Ausschuß in Paris übte der sowjetische Außenminister Molotow scharfe Kritik an dem britischen Entwurf über das Statut des Freistaates Triest. Der Freistaat Triest, erklärte er, dürfe nicht als Kolonialgebiet oder etwas Ähnliches behandelt werden; er dürfe auch nicht zu einem militärischen Stützpunkt für diese oder jene fremde Macht werden.

Der amerikanische Senator Tom Conally betonte in einer Antwort an Molotow, daß man vermeiden müsse, Triest zu einem „neuen Danzig“ zu machen und man den Frieden nicht herausfordern dürfe.