Zu einem Ferienkurs hatte die Universität Marburg mit Unterstützung der amerikanischen Militärregierung in der ersten Septemberhälfte Studentenabordnungen von allen deutschen Universitäten eingeladen, bei dem Professoren aus Amerika, England, der Schweiz, Frankreich und Holland Vorlesungen über die verschiedensten Gebiete der Wissenschaft hielten. Besonders auffällig war es, daß nach amerikanischem Muster fast die Hälfte aller Vorträge soziologische Fragen behandelten. Die Professoren aus den Vereinigten Staaten sprachen ausschließlich über Themen, über die in Deutschland bis jetzt fast gar nicht gelesen wird, wie über neueste Geschichte und Politik, aktuelle Wirtschaftsprobleme, über den Einfluß der Stadt, die Rolle der Musik oder Ehe und Familie im Hinblick auf die gesellschaftliche Ordnung. Die. meisten der übrigen Vorlesungen, die in englischer und französischer Sprache gehalten wurden, richteten sich an die Juristen. Aber auch die Studenten der andern Fakultäten hörten mit reger Anteilnahme und großem Beifall die Vorlesung von Prof. Max. Rheinstein (Chikago) über Rechtssoziologie. Dagegen hatten die Mediziner und Naturwissenschaftler leider, noch keine Gelegenheit, von zuständiger Seite das Neueste auf diesen Gebieten aus Amerika zu hören. Bedauerlich war auch, daß die geladenen russischen Dozenten, aus deren östlicher Gedankenwelt manche Anregung erwartet wurde, nicht erschienen waren, ebenso wie die italienischen und verschiedene der angekündigten Schweizer. Professoren keine Reisegenehmigung zur rechten Zeit erhielten. Ein kleiner Anfang, gelegentlich auch einmal deutsche Universitätslehrer vor einem weiterreichenden Auditorium als nur den Studenten ihrer gewöhnlichen Wirkungsstätte zu Wort kommen zu lassen, wurde diesmal in Marburg durch den bekannten Kunsthistoriker Prof. Hamann gemacht, der als alter Verteidiger der modernen Malerei eine Ausstellung neuester, meist expressionistischer Bilder, eröffnete. Es war ein großer Gewinn der Tagung, daß durch das Zusammensein von Studenten aus allen Besatzungszonen zum ersten Male nach dem Kriege ein Austausch der gegenseitigen Erlebnisse und Studienerfahrungen möglich war. H. K.

Die Regierung von Nordrhein-Westfalen und die lippische Landesregierung haben in Detmold die Nordwestdeutsche Musik-Akademie errichtet, die von beiden Ländern gemeinsam getragen wird. Die Akademie soll Solisten und Musikerzieher ausbilden. Zum Lehrkörper gehören der bedeutende Komponist Wilhelm Maler, Fred Husler, Conrad Hansen, Erich Röhn, Reinhard Wolf, Arthur Tröster und Hans Münch-Holland. Der Akademie ist ein Internat angegliedert, in dem die Studierenden Unterkunft und Verpflegung erhalten. Die Aufnahmeprüfungen beginnen am 1. Oktober. Anfragen sind an die Verwaltung der Nordwestdeutschen Musik-Akademie, Detmold, Neustadt 12 (Palais), Fernruf Detmold 3145, zu richten.

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Die Landesverwaltung Thüringen hat das Haus, in dem sich der Nachlaß des Dichters Rainer Maria Rilke befindet, zum Rilke-Museum erklärt. Eine Gedenktafel wird auf die Zeiten hinweisen, da Rilke in Weimar lebte. Das Museum wird der Rilke-Forschung dienen.