Der Verfasser der folgenden Zuschrift, Herr R. Krauskopf, Solingen, hat vor kurzem in Form einer Broschüre ein beachtliches „Sofortprogramm für die Stabilisierung der Reichsmark“ (Sanierung der öffentlichen Schulden – Neuordnung der deutschen Wirtschaft) veröffentlicht.

Ich beziffere den Betrag der illegal gehorteten Zahlungsmittel auf über 50 Milliarden RM. So->ald diese Summen durch Offenlegung der Konten und Abstempelung (besser Umtausch) der vorhanlenen Noten erfaßt bzw. ausgeschaltet sind, wären wir mit der Währungsreform schon ein gutes Stück weiter...

Über die Entstehung von unrechtmäßigem Besitz möchte ich einige mir bekannte Beispiele anführen:

In vielen Städten sind in den Tagen des Zusamnenbruchs umfangreiche Plünderungen erfolgt. So wurde beispielsweise aus einer der vielen Webereien in München-Gladbach zwischen Abmarsch der deutschen und Einmarsch der USA-Truppen von deutschen Zivilkolonnen Stoffe im Werte von 780 000 Reichsmark gestohlen, die auf dem schwarzen Markt mindestens 15 bis 20 Millionen erbracht haben dürften.

In den Hof eines rheinischen Stahlwerkes wurde Im Februar 1945, also vor der Kapitulation, ein Güterzug einrangiert, der jedoch anstatt des erwarteten Eisenschrottes neue Koffer mit Kaffee, Schokolade, Tee, Liköre und Schmucksachen aus Holland enthielt. Als man zur Vermeidung der sonst fälligen Standgelder sich zur Entladung und Lagerung bis zur Klärung entschlossen hatte, kam ein Zahlmeister und verlangte vom Lademeister mit der Begründung die Wiedereinladung, daß es sich lediglich um einen Irrtum der Reichsbahn handele; er wurde an die Direktion verwiesen. Dort ist er aber nicht erschienen, und er hat in diesem Falle das Schiebergeschäft nicht durchführen können, das ihm zu den damaligen Preisen des schwarzen Marktes die Kleinigkeit von 20 Mill. RM (den Schmuck nicht eingerechnet) eingebracht haben würde.

In Solingen waren bei den Endkämpfen die Reste von mehreren Divisionen zusammengedrängt. Aber nur ein einziger Zahlmeister hat seine Kasse (200 000 RM) bei der Reichsbank abgeliefert.

In einem Dorf mit 42 Häusern wurde festgestellt, dat in jedem Hause, also bei jedem Bauer, außer Bedarfsgütern für die nächsten zwanzig Jahre mindestens 20 000 bis 30 000 RM in kleinen Banknoten, in einigen Häusern aber 200 000 bis 300 000 RM gehortet sind.