Die Frage nach dem Wesen des Geldes, die sich im Strudel der Inflation stärker als je erhob, beantwortete an der Hamburger Universität Prof. Singer mit seinen Vorlesungen über das „Geld als Zeichen“. Heute quälen uns wiederum Geldsorgen, aber die Wissenschaft scheint zu schweigen. Es spukt der Kaufkraftüberhang, es droht die Höhe der Schulden des Dritten Reiches und es lähmt die Pflicht der Wiedergutmachung der Kriegsschäden. „Strich drunter“, diese verlockend einfache Lösung wird scheu umgangen, weil man sich vor dem Sichtbarwerden der riesigen Verarmung fürchtet.

Daß wir mit dem Gelde, das Hitler verdarb, leben, als ob nichts gewesen wäre, daß wir jedem gestatten, in aller Ruhe seine Kriegsgewinne aufzuzehren und ein arbeitsloses Dasein zu führen, das läßt einen besorgten Wirtschaftsprüfer keine Ruhe finden, und so versucht er, als Volksmann ohne politischen oder amtlichen Auftrag, die Not zu wenden, indem er unaufhörlich schreibt und sagt, wie notwendig „richtiges Geld“ sei. Max Schönwandt ist dieser besorgte Mahner. Ihm stimmten vor Monaten schon hochgestellte Beamte (aber nur als Privatleute – diese Einschränkung war ihnen sehr wichtig) gerade in Hamburg zu, doch es geschah nichts. Nun ist es wenigstens gelungen, gedruckt zu erhalten, was gesagt und gewußt werden muß. (Schönwandt: „Richtiges Geld – sofort nötig und möglich!“ Verlag: Volk und Zeit, Wilhelm Beisel, Karlsruhe, 264 Seiten.)

Zum erstenmal wird ein Überblick über die Bemühungen einsichtiger Fachleute vermittelt. Freilich wird die Verbreitung der Kenntnis dieser Dinge feinen Wandel bringen, solange die Siegermächte, das Problem nicht angreifen wollen. Aber wissen müssen sie, daß nach unserer Ansicht das alte Geld noch weiter schadet, daß wir auch davon befreit werden wollen und müssen.

Dies ist allerorten zu wiederholen, obwohl uns Knapps „Staatliche Theorie“ lehrte, daß auch beim Geld die auswärtige Politik den Primat hat, und obwohl wir wissen, daß der Staat als größter Zahlungsempfänger und größter Zahlungsleister der erste Interessent am richtigen Gelde ist – wenn er auch heute zu ohnmächtig ist, das zu tun, was der erste Schritt zu einer nachhaltigen Besserung der Verhältnisse und zugleich die Sicherung gegen weitere Abzüge von Erzeugnissen und Erzeugungsmitteln wäre.

Um dieser Einsicht willen ist es wichtig, daß sich mit der Geldfrage auch Laien befassen, und für sie schrieb Schönwandt. Ohne die Gewichtigkeit fachwissenschaftlicher Abhandlungen und ohne viele Begriffe aus der Geldtheorie werden die Dinge klargemacht.

Es lebt der Wahn, die neuen harten Steuern hülfen dem Übel ab. Aber sie fördern bislang lediglich den Kapitalverzehr, steigern nur die Umsätze des Schwarzen Marktes und belohnen die Schwarzmarkthändler. Alle Einsichtigen wünschen deshalb eine Wandlung.

Wie schmerzlich auch die Folgen der zu ergreifenden Maßnahmen, die Schönwandt genau umreißt, sein mögen: was eine richtige Geldordnung dem Staat und jedem Arbeitenden einbringt, ist mehr wert als das Spiel mit großen Reichsmarkbeträgen, das die Unternehmen gegenwärtig in ihren Büchern zu treiben vom Staate gezwungen werden. Richtiges Geld wird dieser Unwahrheit ein Ende bereiten und den Aufbau klarer und sinnvoller fördern als angebliche Aufbaumittel, die durch wirtschaftsfeindliche maßlose Steuern aufgebracht werden. shg.