Neulich sprach ich mit dem Mann im Mond, von dem wir aus einem Märchen wissen, daß er feiertags Holz sammelte, ein Tun, dem er seine langlebige Existenz verdankt. Er hat inzwischen jedoch ein trauriges Ende gefunden.

Er lebte bereits zu Noahs Zeiten, von dem uns die Bibel berichtet, daß er auf göttliches Geheiß die Arche baute, in der er mitsamt allerlei Menschen und Getier einige Wochen auf den unabsehbaren Wassern schwamm, bis er schließlich nach dem Guß auf dem über 5000 Meter hohen Ararat landete. – Nach dem Bericht des Mannes vom Mond ist die Sintflut so zustande gekommen:

Die hyperklugen Mondbewohner, die sich für die Krone der Schöpfung hielten, hatten nach einigen grausigen Mondkriegen die Atombombe erfunden, womit eine Mondanschauung der andern den Garaus machen wollte. Der Streit um die Mondmacht konnte auf Mondfriedens-Konferenzen nicht beigelegt werden, so daß man sich entschloß, auf dem Wege der Atombombenwürfe zu Macht und Frieden zu kommen. Der Friede wurde dann auch vollkommen erreicht, denn seit Jahrtausenden ist es still geworden auf dem Mond. Die immer noch sichtbaren Spuren des Atombombenkrieges sind die riesigen Krater. Der Mann im Mond behauptet, daß man durch diese Einschlagstellen hindurchsehen könne, und durch sie seien damals die noch vor-, banden gewesenen Mondmeere abgeflossen. Davon habe auch die Erde den Teil abbekommen, der nach der biblischen Überlieferung als Sintflut bezeichnet wird. Weiter berichtet der Mondmann, daß bis auf ihn das Leben völlig erloschen wäre. Wie schön, so sagte er, könnte es auf dem Mond noch sein, wenn sich die Bewohner damals mit dem Atom als kleinstem unteilbarem Teil der Materie begnügt hätten; aber er war ihnen noch nicht klein genug, und sie ruhten nicht eher, als bis sie dieser Wissenschaft selbst zum Opfer fielen. Daß sie durch selbsterzeugte Mond- und Meerbeben ihre Seismographen zum Schaukeln bringen konnten, reizte sie in höchstem Maße, bis dann die entfesselten Energien von ihnen Besitz ergriffen und sie vernichteten.

Gekommen war der Mondmann mit einer hier abgeschossenen Rakete, flüsterte er noch, ehe er sein Leben auf der Erde aushauchte, unter einem Berg von Papier: Fragebogen, Einreiseerlaubnisschein, Aufenthaltsgenehmigung, Interzonenpaß, Haushaltspaß, Stammkarte, Reisemarken. Zusatzkarte, Gewichtskontrollschein, Warenbezugskarte, Gemüsemarken, Schuhreparaturschein, Nähmittelbezugschein, Mitgliedskarten für Partei, Gewerkschaft und Krankenkasse, Arbeitsausweis, Kennkarte, Personalausweis, Rundfunkquittung, Monatskarte, Zeitungsquittung, Raucherkarte, Mietvertrag, Banknoten, Wahlpropagandazettel sämtlicher Parteien, Krankenschein, Impfschein, Quarantänelagerbescheinigung. Reisigsammeledaubnisschein, usw. Es schien, als ob er gern noch etwas gesagt hätte, bervor er den letzten Seufzer tat. E. S.