Drei Wochen nach Beginn der Londoner Konferenz sind noch immer nicht alle interessierten und eingeladenen Gruppen im Lancaster House, dem Tagungssitz der Palästina-Konferenz, versammelt. Die Palästina-Juden, an ihrer Spitze der Innere Zionistische Rat in Jerusalem, haben erklärt, daß sie "unter den gegenwärtigen Verhältnissen" nicht beabsichtigen, Vertreter nach London zu entsenden. Der Bericht des Sondergesandten der Jewish Agency, Berl Locker, der im Auftrag seiner Organisation offiziell in London verhandelte, hat nicht vermocht, diese Ansicht in Jerusalem zu erschüttern. Dort erklärt man, daß Juden nicht an der Konferenz teilnehmen könnten, solange ihre Führung festgesetzt sei, und verlangt als ersten Schritt die Freilassung der verhafteten jüdischen Führer, insbesondere des Dr. Mosche Schertok. Diesem Wunsch steht nach einer Reutermeldung ein Brief des britischen Kolonialministers Hall, des ständigen Vorsitzenden der Palästina-Konferenz, entgegen. Der Minister lehnt die Teilnahme der festgenommenen Führer der Jewish Agency an der Londoner Konferenz ab. Grundsätzlich besteht auch weiterhin die Forderung des Zionistenführers Dr. Chaim Weitzman, die von dem Inneren Zionistischen Rat in Palästina geteilt wird, nach Errichtung eines selbständigen jüdischen Staates "in einem angemessen großen Raum Palästinas".

Da auch die Palästina-Araber keine. Vertreter flach London gesandt haben, was Premierminister Attlee in seiner Eröffnungsansprache am 10. September sehr bedauerte, wird also bisher über Palästina verhandelt, ohne daß die direkt Beteiligten vertreten sind. Der arabische Standpunkt ist aber hinreichend durch die Abgeordneten der sieben Staaten der arabischen Liga repräsentiert. Die USA Verfolgen mit Interesse den Ablauf der Besprechungen, haben jedoch keine offiziellen Wortführer entsandt.

Über die Ausführungen Bevins in einer geschlossenen Sitzung am 16. September verlauteten keine offiziellen Angaben. In unterrichteten Kreisen wird vermutet, daß der britische Außenminister keine Veränderungen am ursprünglichen Plan vorgenommen, aber auf die Möglichkeit einer späteren Treuhänderschaft der UNO hingewiesen habe.

Aus arabischen Stimmen ist zu entnehmen, daß vorläufig noch nicht mit einer Übereinstimmung der britischen und arabischen Standpunkte zu rechnen ist. Die Nachrichtenagentur Reuter berichtet, daß nach Ablehnung der Provinzialautonomie durch die Araber die britische Regierung vielleicht beabsichtige, andere Lösungen der Palästinafrage zu erwägen. Die Provinzialautonomie werde weder den Arabern noch den Juden gerecht. Die Gründe des Palästinakonflikts wären erhalten geblieben.

Da nun wieder die Aufteilung des Gelobten Landes in selbständige Staaten sich als Möglichkeit abzeichnet, kann mit der Teilnahme der Jewish Agency am Londoner Runden Tisch gerechnet werden. Jedoch sind die arabischen und die jüdischen Auffassungen über die Durchführung der Aufteilung sehr verschieden. Die Juden beanspruchen genügend Raum Ansiedlung neuer Einwanderer; ein Standpunkt, die Araber nicht zulassen wollen, weil Palästina im Jahrhunderten arabisches Land sei. Da auch die jüdischen Siedlungen weit in den mutmaßlich den Arabern zufallenden Raum hereinreichen und somit eine Umsiedlung erforderlich wird, werden Lösungen auf diesem Gebiet ’schwierig sein. Wieviel Raum dürfen die Juden beanspruchen und was werden die Araber zur Verfügung stellen wollen?

In London wird eine Lösung nur gefunden werfen, wenn alle Beteiligten in ihren Forderungen maßvoll sind. B. P. W.