Von Wolfgang Drews

Die Briefträgerin bringt in das ländliche, bücherlose Dasein ein kleines Päckchen. Es kommt aus der Buchhandelsstadt Leipzig und enthält ein Bändchen, das kürzlich im Verlag Karl Rauch erchienen ist und auf seinem Titelblatt die schlichten Zellen trägt: A. S. Puschkin, Gedichte, Deutsch von Henry von Heiseler.

Gedruckt 1946, ein russischer Dichter aus dem ruhen neunzehnten Jahrhundert, herausgegeben von dem Sohn des noch gar nicht lang verstorbenen Ubersetzers – können gestern und heute, die große Überlieferung und die Bemühung des Tages sich nniger vereinen? Der Balte Heiseler hatte Rußands und Deutschlands Sprachklang im Ohr, er ist im als Mittler zwischen Ost und West willkommen.

Bernt von Heiseler, der Herausgeber, hat ein urzes Nachwort geschrieben. Es beginnt mit einem wollen Akkord: "Ein Weltgenie, dem einzig nur der Platz neben Dante. Shakespeare und Goethe gebührt" – so zitiert er seinen Vater über Puschkin.

Und gesteh ich’s nur das Büchlein läßt nicht mehr los, auf keiner von den vierzig Seiten; seine Karten, festen, mächtig dahinrollenden, zuweilen dahingrollenden, von einem dunklen Rausch umebenen, dann wieder in hellem ,,Licht schreitenden Verse bestehen seit Wochen die oftmals erneute Probe auf Gehalt und Form, – "ich schwör’s bei Grad und Ungerad", wie in dieser Verdeutschung Puschkins Nachahmungen des Korans anheben.

Diese Nachahmungen in dieser Nachdichtung sind in großer, tiefer Auftakt. Die Sprache, deren Subtantiva wie Quadern getürmt sind, deren Verba und Adjektiva sich wie Hauptwörter lesen, ist beinahe schmucklos, sie wirkt durch den vollen Klang, en vollen Inhalt des einzelnen Wortes, Der jünere Heiseler verweist trefflich auf Goethes Prolog im Himmel, auf die Stimmen der Erzengel

Die Falschheit treffe kühn dein Fluch.