Mit einer knappen Mehrheit von 150 Stimmen haben sich die Bewohner, der zwischen Schottland und Island gelegenen Inselgruppe der Färöer in einer Volksabstimmung für die Unabhängigkeit entschieden. Der Abfall der dänischen Außenbesitzungen vom Mutterland scheint damit zu einem vorläufigen Abschluß gekommen zu sein, nachdem die Regierung in Kopenhagen bereits 1917 die drei dänischen Inseln in Westindien an die Vereinigten Staaten verkaufen und ein Jahr später Island als souveränen Staat anerkennen mußte. Im Juni 1944 hat Island schließlich auch die formale Bindung der Personalunion mit der dänischen Krone gelöst, Grönland bleibt somit die letzte Kolonie Dänemarks, aber sogar dort machen sich seit dem Sommer dieses Jahres Bestrebungen nach einer Selbstregierung geltend.

Die Bewohner der Färöer hatten sich stets ein gewisses Maß von Autonomie bewahrt, die durch eine eigene Volksvertretung, das Lagting, repräsentiert wurde. Das praktisch nur durch den dänischen Präfekten beschränkte Eigenleben fand die Zustimmung des größten Teils der Bevölkerung, Als die Inseln jedoch am 12. April 1940 von England besetzt wurden und seitdem jede Verbindung zum dänischen Mutterland abgeschnitten war, stellten die Färinger fest, daß sie auch auf eigenen Füßen zu stehen vermochten. Parteipolitisch schlug sich diese Ansicht in dem Zulauf nieder, den die separatistische "färöische Volkspartei", kurz "Folkeflokken" genannt, erhielt. Unter der geschickten Führung Johan Paturssons, des einstigen färöischen Vertreters im dänischen Oberhaus, beteiligte sie sich im August 1943 erstmalig an den Lagtingswahlen und wurde mit zwölf Mandaten die stärkste Partei des Landes. Die absolute Mehrheit fiel "Folkeflokken" allerdings nicht zu, denn die für die Beibehaltung des alten Zustandes eintretenden Sozialdemokraten und die Anhänger der Zusammenarbeitspartei verfügten zusammen über dreizehn Mandate. Trotzdem gelang es "Folkeflokken", seine Parole, daß auf den Färöern nur die Färinger bestimmen sollen, durchzusetzen.

Außenpolitisch verfocht "Folkeflokken" mit Geschick den Grundsatz vom "freien Inselvolk der Färöer", das als "sechste Nation unter die nordischen Brudervölker" treten soll. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Parole zugkräftig war und ist, zumal die Isländer ihre unabhängige Republik unter ähnlichen Gesichtspunkten proklamiert haben. Immerhin stehen sich aber die Anhänger der von der Kopenhagener Regierung befürworteten bedingten Autonomie und die der völligen Unabhängigkeit in nahezu gleicher Stärke gegenüber. Aus diesem Grund sieht die dänische Regierung das Ergebnis der Volksabstimmung auch als nicht überzeugend an. Die färöische Unabhängigkeitserklärung hat König Christian mit der Auflösung des Lagting beantwortet, und seine Regierung hat ein dänisches Kriegsschiff nach den Inseln entsandt, um eine "zuverlässige Verbindung" herzustellen. Es bleibt daher noch abzuwarten, ob der jüngste Staat der Welt die Geburtswehen überstehen wird. H.