Wir veröffentlichen im folgenden einen kurzen und notwendigerweise lückenhaften Auszug aus einer umfangreichen Denkschrift, die uns von dem Verfasser, Herrn C. J. Harders, Hamburg, freundlicherweise zur Verfügung gestellt worden ist.

Das Problem des nachstelligen Realkredits, der zweiten Hypothek, stellt sich als die Kernfrage der Wohnungsbaufinanzierung dar. Öffentliche Geldgeber sind nach den Anlagevorschriften im allgemeinen nicht in der Lage, die zweite Rangstelle zu beleihen, wenn diese über etwa 50 Prozent des Beleihungswertes hinausgeht; dasselbe, gilt für Versicherungsgesellschaften und Hypothekenbanken, die das verwaltete Kapital nach den Anlagevorschriften nur in mündelsicheren Werten anlegen dürfen. Um einen Ausweg zu finden, wurden die Mittel für die zweite Rangstelle entweder unter Beihilfe öffentlicher Körperschaften beschafft, oder das Reich mußte die Bürgschaft übernehmen. Die Einrichtung der Reichsbürgschaft entstand lediglich zu dem Zweck, dem Hypothekengläubiger das im nachstelligen Kredit liegende Wagnis abzunehmen. Die maßgeblichen Stellen waren sich schon früher darüber klar, daß es sich hier nur um einen Notbehelf vorübergehender Art handeln sollte. Das dafür entwickelte Verfahren ist überdies recht kompliziert und langwierig. Vor allem aber ist verständlich, daß das Reich nicht laufend spezielle Interessen in der Bau- und Wohnungswirtschaft mit dauernden Zuschüssen aus Steuermitteln unterstützen kann.

Die Bau- und Bodenbank, die vom Reich als Treuhänderin für die Reichsbürgschaftsordnung eingesetzt worden ist, hat trotz vieljähriger Erfahrungen weder den schwerfälligen Beharrungszustand überwinden, noch einen eigenen Beitrag zur Lösung dieses wichtigen Problems liefern können. Außerdem beweisen ihre Geschäftsberichte, daß die Reichsbürgschaftsordnung nur einen Teil der Mittel des organisierten Realkredits binden konnte. Das erhebliche private zweite Hypothekenkapital dagegen, das für eine planende Gestaltung nicht erschlossen wurde, ging bisher eigene Wege. Das ist um so weniger zu verantworten, als dieser Posten bisher, in Zeiten normaler Bautätigkeit, Jahr für Jahr bereits Um die Milliardengrenze herum geschätzt wurde.

Allein dies und die Tatsache, daß das Reich durch die .Reichsbürgschaftsordnung bereits hoch verpflichtet wurde – im alten Reichsgebiet mit rund 1,3 Milliarden RM – und daß der Ablauf dieser und zukünftiger Verpflichtungen unübersichtliche, der Höhe nach unbestimmbare Auswirkungen nach sich ziehen konnte, lassen erkennen, daß so keine organische Entwicklung erreicht werden konnte.

Diese unbefriedigende Lage ist nach der Kapitulation unhaltbar geworden. Eine Reichsbürgschaft existiert praktisch nicht mehr, und die durch sie gedeckten Ib-Hypotheken sind auf Grund der eingetretenen Verhältnisse ungesichert. Die Mündelsicherheit der betreffenden Kapitalien muß jedoch wegen der gesetzlichen Vorschriften sobald als möglich wiederhergestellt werden. Dies ist durch die Sicherung der gesamten reichsbürgschaftlich gedeckten Hypotheken möglich. Bei dem bevorstehenden Einsatz gewaltiger Kräfte im Bauwesen wird der Behelf der Reichsbürgschaft, wenn sie auf Länder und Gemeinden übernommen werden müßte, weder ausreichend sein noch gewünscht werden können, weil dadurch wieder öffentliche Mittel größten Umfanges gebunden würden. Es ist daher die Forderung zu erheben, daß die Bau- und Wohnungswirtschaft die von ihr gebrauchten Kapitalien endlich aus eigener Kraft ohne staatliche Garantie sichert.

Für den einzelnen Geldgeber bleibt die Begebung wegen des in der zweiten Hypothk liegenden Risikos eine Art Spekulation. Der einzige Anreiz für die Hergabe liegt in einem möglichst hohen Zinssatz, der naturgemäß die Wirtschaftlichkeit des Bauvorhabens ungünstig beeinflußt. Nebenher ist fast immer ein hoher Tilgungssatz zum Zweck der beschleunigten Abtragung der nachstelligen Hypothek vereinbart; dadurch tritt eine noch stärkere Belastung des Schuldners ein, wodurch die Unsicherheit auf beiden Seiten weiterhin vermehrt wird. Auf einer derartigen Grundlage, wird man eine Gesundung und die notwendige Förderung des Wohnungsbauwesens nicht erwarten können. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen hat aber der private Geldgeber die Übernahme der Reichsbürgschaft für die zweite Hypothek bisher nicht in Anspruch genommen. Ungewöhnlich hohe Tilgungssätze und Verwaltungsgebühren für die nachstelligen Darlehen belasten z. B. den Schuldner bei den Bausparkassen mit Annuitäten von effektiv rund 14 v. H. der zweiten Hypothek. Der Schuldner ist im allgemeinen nicht in der Lage, diese Belastungen auf die Dauer wirtschaftlich durchzuhalten. Die Bausparkassen können aber mit niedrigen Tilgungssätzen nicht arbeiten, teils, weil sie schnell aus dem Risiko, das in den ersten Jahren noch verhältnismäßig gering ist, herauskommen müssen, hauptsächlich aber, weil sie ständig weitere Kapitalien für Zuteilungen bereitstellen müssen. Daher ist dem Bausparwesen bislang der erstrebte Erfolg versagt geblieben, und es wird dies bei den zu erwartenden Einkommensverhältniss:n der Bevölkerung in Zukunft erst recht der Fall sein.

Wein Plan geht von der Erkenntnis aus, daß das in jeder zweiten Hypothek schlummernde Risiko gebunden werden und die Deckung der entstehenden Ausfälle auf der Grundlage des Wagnisausgleichs bei einer großen Anzahl gesicherter Objekte nach dem "Gesetz der großen Zahl" erfolgen müsse. Er bezweckt also die Sicherung des nachstelligen Realkredits gegen eventuelle Ausfälle auf versicherungsmäßiger Grundlage! Nach Prüfung der Unterlagen hat die Militärregierung Hamburg den Plan der Kontrollkommission zugeleitet.