Der Verfasser, ein Hamburger Kaufmann und Reeder, ist zur Zeit Leiter des Hamburger Verkehrsamtes und gehört dem Vorstand der CDU an.

Die Frage nach der Zukunft der deutschen Wirtschalt wird seit mehr als einem Jahr in materieller und organisatorischer Hinsicht gestellt und diskutiert. Diese Diskussion ist allmählich ins Uferlose geraten. Man spricht von Wirtschaftsdemokratie, Wirtschaftsbürokratie, Sozialisierung der Wirtschaft, Planwirtschaft, Unternehmerdämmerung und redet, da man sich über Begriffsformulierungen, Ausgangspunkte und Zielsetzungen nicht immer klar ist, meist aneinander vorbei.

Darüber aber scheint Einigkeit zu bestehen, daß das Problem des Verhältnisses der Wirtschaft zum Staat die Kernfrage unserer heutigen Volkswirtschaft überhaupt ist. Von der Lösung dieses Problems hängt in weitem Ausmaß die Zukunft unseres Volkes ab, und es wäre viel wert, wenn es gelänge, die Debatte über diesen Fragenkomplex aus dem Streit zwischen begeisterten Sozialisierungsfreunden und erbitterten "Privat"-Unternehmern herauszurücken in eine Ebene nüchterner, am Allgemeinwohl orientierter Betrachtung.

Für das Verhältnis der Wirtschaft zum Staat ist seit dem ersten Weltkrieg ein Staatsinterventionismus von immer steigendem Ausmaß kennzeichnend geworden. Man hat angesichts dieser Entwicklung häufig behauptet, daß sich ein grundsätzlicher Strukturwandel in der Wirtschaft vollzogen hätte, der Übergang nämlich von der Privatwirtschaft zur Staatswirtschaft. Eine solche Feststellung übersieht, daß das Vordringen des Staates in die Wirtschaft zwei Seiten gehabt hat: Hand in Hand mit Expansion der Staatstätigkeit auf dem Gebiet der Wirtschaft ist eine Ausnutzung des Staates durch die privaten wirtschaftlichen Interessengruppen gegangen. Je mehr der Staat sich der Wirtschaft bemächtigt hat, und zwar anstatt durch eine allgemeine Regulierung des Wirtschaftslebens durch eigenwirtschaftliche Beteiligung; ist er Werkzeug in der Hand von Gruppen, Parteien und Personen geworden, die ihren Einfluß im Sinne einer bestimmten staatlichen Wirtschaftspolitik geltend zu machen verstanden. So wurde der Staat gerade da, wo er Eigenbetriebe führte, zu einem bloßen Bestandteil der Privatwirtschaft und beraubte sich der Möglichkeit einer allgemeinen Wirtschaftsplanung nach höheren Gesichtspunkten.

Jede über das gebotene Maß hinausgehende Stärkung der Staatsmacht bedeutet aber eine Gefahr für die Demokratie; denn sie trägt den Keim des totalitären Systems in sich. Das gilt auch auf dem Gebiet der Wirtschaft. Das Vordringen der Staatswirtschaft führt zu einer Diktatur der Wirtschaftsbürokratie, die mit ihren bekannten Begleiterscheinungen der beste Wegbereiter für die Diktatur auch auf politischem Gebiet ist. "Jede Verstaatlichung", hat in diesem Sinne ein so kenntnisreicher Beobachter wie der Heidelberger Soziologe Alfred Weber erst kürzlich festgestellt, "wirft neue Teile in den Rachen der bürokratischen Staatsmaschine, die sowieso die Tendenz hat, zur Zeit alles zu verschlingen und dabei wahre Freiheit zu ertöten."

Wenn die Gestaltung der Wirtschaft dem einzelnen nicht die Freiheit seiner Person nehmen soll, so ist die Absage an die grundsätzliche Staatssozialisierung notwendig. Nicht die kategorische Forderung einer "Verwandlung des kapitalistischen Privateigentums an Produktionsmitteln – Grund und Boden, Gruben und Bergwerken, Rohstoffen, Werkzeugen, Maschinen, Verkehrsmitteln – in wirtschaftliches Eigentum und die Umwandlung der Warenproduktion in sozialistische für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion", wie dieses in dem klassischen Erfurter Programm der Sozialdemokratie von 1891 verlangt wird, kann daher das Allheilmittel sein. Eine Sozialisierung sollte vielmehr nur dort erfolgen, wo die Zusammenballung wirtschaftlicher Macht in privater Hand zu einer Gefahr für die Allgemeinheit und für die Freiheit des einzelnen zu werden droht. Weite? ist eine Sozialisierung natürlich auch dann notwendig, wenn das Interesse der Allgemeinheit an der Gemeinnützigkeit der in Frage kommenden Institutionen dieses unabweislich gebietet.