Als Sensationen, verbunden mit tieferreichenden Erregungen, wirkten auch diesmal wieder nach Kriegsschluß haben wie drüben die ersten Enthüllungen über "die andere Seite". Neben dem Vergnügen am rein Sensationellen, wie es sich in einer nachträglichen "Erkundung" der Geheimpläne des Gegners ausdrückt, meldet sich schüchtern auch wieder die rein menschliche Anteilnahme zu Wort. Das ursprüngliche Interesse des Menschen bleibt doch immer der Mensch. Und in dein Maße, in dem das starre Schema vom "Feind", der lange Jahre hindurch als der Teufel persönlich an die Wand gemalt wurde, zerbröckelt und das menschliche Verstehen durch die zerborstene Kruste einzudringen beginnt, erweitern wir auch wieder unser enggewordenes Selbst. Allmählich löst sich die Verkrampfung, die sich im Kriege durch die totale Anwendung der Freund-Feind-Kategorie über die Menschen gelegt hat, und wie die ersten Strahlen der Frühlingssonne belebt das Verständnis des Herzens, von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk wärmend die kalt und starr gewordenen Beziehungen. Nun erst regt sich das Leben wirklich wieder: das Leben, wie es uns lebenswert erscheint.

Solche lösende, wärmende, weitende Kraft geht von dem lebendigen Interesse aus, das sich danach erkundigt, wie es dem einstmaligen Gegner, ums Herz war, als man selbst im Graben kauerte und die Heimat verstört in den Bunkern saß. Wie die Menschheit diesen schrecklichen Krieg durchlitt, die eigene wie die andere Seite, das erfährt man nicht aus den Machwerken der Propaganda, sondern allein aus den privaten Zeugnissen, aus Briefen und verschwiegenen Tagebuchaufzeichnungen und aus jenem Gebilde, das vom verwundeten Gefühl ausgeschieden wurde wie die Perle von der kranken Muschel: aus dem Gedicht. Die unter Schweiß und Blut und Tränen dem Tod und der Vernichtung abgerungene Lyrik birgt in sich die eindrucksvollsten Dokumente des menschlichen Herzens.

Noch fehlt uns die Übersicht, noch haben wir keine Möglichkeit, eine Anthologie der besten Gedichte dieses Krieges zusammenzustellen. Noch kennen wir nicht einmal ein einzelnes "bestes", das etwa jenen unvergleichlich großartigen Versen

Stay with

Stay with me, Cod. The night is dark,

The might is cold, my little spark

Of Courage dies. The night is long;