Nach intensiver Arbeit von fast einem VierteljahrDauer ist der Pariser Friedenskongreß beendet worden. Er schließt keineswegs mit der Unterzeichnung von Friedensverträgen ab; seine Aufgabe bestand vielmehr darin, diese Verträge, die für Italien, Bulgarien, Ungarn, Rumänien und Finnland schicksalhaft sein werden, in Form von Vorschlägen an die vier Außenminister vorzubereiten. Erst in New York, wo im November die Außenminister von England, USA, Rußland und Frankreich zusammentreten, wird das entscheidende Wort gesprochen werden. Der Erfolg dieses ersten Friedenskongresses nach dem großen Kriege wird davon abhängen, wieweit man in New York seine Empfehlungen annehmen wird. Angesichts der Gegensätze zwischen den Angloamerikanern und den slawischen Staaten, die bei den Debatten heftig zutage traten, läßt sich heute noch kein Urteil darüber fällen, wie das New Yorker Ergebnis schließlich aussehen wird.

Die Vorschläge zur Lösung der Hauptstreitfragen sind in Paris mit Zweidrittelmehrheit angenommen worden; gemäß dem dort beschlossenen Verfahren werden sie daraufhin als Empfehlungen an die Außenminister weitergeleitet. Die englischen und die amerikanischen Vertreter haben sich verpflichtet, diese, mit einer Zweidrittelmehrheit angenommenen Vorschläge bei der endgültigen Ausarbeitung der Friedensverträge zurespektieren. Die sowjetrussischen Vertreter dagegen sind diese Verpflichtung nicht eingegangen. So wurde bei der Abstimmung über die beiden Hauptstreitfragen, über Triest und über die Freiheit der Donauschiffahrt, eine Zweidrittelmehrheit erzielt; was angenommen wurde, waren im wesentlichen angloamerikanische Vorschläge, und in beiden Fällen haben alle sechs slawischen Staaten dagegen gestimmt. Der südafrikanische Premierminister Smuts, heute einer der erfahrensten Staatsmänner, sprach eine Warnung aus: "Die Angst, daß die Welt in zwei Lager gespalten wird, muß zerstreut werden." Nicht nur Bevin, sondern auch Molotow stimmten dem Satz zu. Tatsächlich neigten auch die letzten Äußerungen der russischen Vertreter in Paris eher zur Mäßigung, als es zu Beginn des Kongresses der Fall gewesen war. Presse und Rundfunk in Rußland rühren jedoch ihren Feldzug gegen die Westmächte weiter. Nach englischer Auffassung bietet die bevorstehende Zusammenkunft der vier Außenminister in New York wiederum eine Chance, die Widersprüche zwischen Ost und West zu verringern. Sollte jedoch über die in Paris behandelten Probleme schließlich in New York keine endgültige Einigung erzielt werden, dann sind die Aussichten für eine Regelung des soviel schwierigeren und gewichtigeren Problems Deutschland recht trübe, ja "armselig", wie es der Londoner Rundfunk in seinem Kommentar zur Lage nannte.

Nicht von ungefähr erinnern gerade in diesem Augenblick die Vereinigten Staaten von Amerika an jene elf Milliarden Dollar, die im Rahmen des Pacht- und Leihverfahrens den Sowjetrussen für die Kriegführung zur Verfügung gestellt worden sind. In einer nach Moskau gerichteten Note schlägt USA die Entsendung einer russischen Finanzdelegation vor, um das Problem der Zurückzahlung oder Verrechnung zu erörtern. Man mag auch hierin die Tendenz spüren, wie sie bereits in den Reden von Außenminister Byrnes zum Ausdruck kam, an den Problemen der neuen Weltordnung so aktiv wie möglich mitzuwirken.