Per Albin – nur den Vornamen hörte man, wenn in Schweden von dem so plötzlich verstorbenen Ministerpräsidenten und Führer der Sozialdemokraten Per Albin Hansson die Rede war, und der Ton zeigte, daß dieser Politiker das seltene Glück gehabt hat, trotz zeitweilig erheblicher sachlicher Meinungsverschiedenheiten in allen Teilen der Bevölkerung beliebt zu sein. An sachlichen Meinungsverschiedenheiten hat es wahrhaft nicht gefehlt. Wie wurde Per Albin im "Bürgertum" angegriffen, als er als junger Kriegsminister 1925 die Abrüstung durchführte, und wie erst, als er im finnischrussischen Konflikt im Winter 1939/40 als Ministerpräsident an der schwedischen Neutralität strikt festhielt! Damals mußte er sich zeitweilig sogar von einer Leibgarde begleiten lassen. Aber die Lauterkeit und Aufgeschlossenheit seines Wesens, die sportliche Haltung, das Kameradschaftliche, die fachliche Einstellung und vor allem das temperamentvolle, leidenschaftliche Eintreten für seine Ideale und seine Integrität ließen Meinungsverschiedenheiten immer sehr schnell wieder aufhören.

Er war ein glänzender Bridgespieler, und ein Bridgepartner des Arbeitersohnes Per Albin war der König von Schweden. Das vertrauensvolle Verhältnis zum König, der auf die schwedische Politik stets, auch jetzt noch im Alter von 88 Jahren, einen großen und oft entscheidenden Einfluß ausgeübt hat, war eine Stütze der Politik Per Albins. Eine andere Stütze war sein enges Verhältnis zum Volke, aus dem er stammte und zu dem er immer gehört hat.

Man kann sagen: Per Albin war der ideale Politiker eines sozialistischen Utopia – möglich vielleicht nur in Schweden, das sich von zwei Weltkriegen hat fernhalten können.

Als Führer der schwedischen Arbeiterbewegung trat Per Albin 1925 das Erbe von Hjalmar Branting an. Beide stammen aus einem völlig verschiedenen Milieu, Branting aus dem guten und reichen Bürgertum, Hansson aus den ärmsten Schichten des Volkes.

Branting besuchte eine der besten Schulen des Landes, war zeitweilig Klassenkamerad des Königs und studierte dann; Hansson besuchte die Volksschule und wurde Laufjunge. Beide verdienten, sich in der Arbeiterbewegung die ersten Sporen als Journalisten und wurden sehr jung Chefredakteure des Zentralorgans "Socialdemokraten". Branting war in französischen Gedankenkreisen aufgewachsen zu einer Zeit, als mancher Führer der schwedischen Liberalen sich mit der Trikolore beerdigen ließ. Er ist stets französisch orientiert gewesen, nahm zeitweilig eine ausgesprochen deutschfeindliche Haltung ein, zeigte aber dann als Völkerbundspolitiker viel Verständnis für die Weimarer Republik.

Per Albin Hansson war Schwede und blieb es. Er gehörte zum Kreise um Branting und setzte sein Werk fort. Innenpolitisch führte er als Ministerpräsident einen Kurs des sozialen Liberalismus und der sozialen Demokratie, eine Politik, die wie die Branting-"die von dem Gedankengut der französischen Sozialistisch-Radikalen stärker beeinflußt war als von dem des Marxismus.

Per Albins Außenpolitik war getragen von dem Glauben an den Völkerbund. Entsprechend den Idealen des Völkerbundes führte Per Albin 1925 die Abrüstung auf den Umfang durch, der zur Verteidigung des Landes und zur Erfüllung der Völkerbundsverpflichtungen notwendig war. Als diese Ideale mit dem zweiten Weltkrieg zusammenbrachen, warf Per Albin als Ministerpräsident das Ruder herum. Er verstärkte nicht nur die Wehrmacht, sondern baute auch die Rüstungsindustrie aus. Er schuf eine eigene Flugzeugindustrie, so daß Schwedens Möglichkeiten einer Verteidigung seiner Neutralität sich wesentlich besserten.