Von Hanns Braun

Aus den großen Staatsforsten rings um unsre Siedlung dringt jetzt wieder täglich, am vernehmlichsten bei Ostwind, ein metallisches Zirpen. Mitunter schweigt es und du vergißt es. Wenn es dann wieder einsetzt, klingt es irgendwie näher, auch durchdringender denn zuvor, und du kannst nicht umhin, von deiner Arbeit aufzusehn und hinzuhorchen.

Es ist kein angenehmes Geräusch. Weit ab vom Wohllaut des murmelnden oder brausenden Wassers. Weit ab von all den Harmonien, welche die Natur auf dem Instrumentarium unserer Sinne auch dann noch anklingen läßt, wenn sie, wie im Steinschlag oder Sturm, bedrohlich wird und wir uns gewarnt fühlen sollen. Der penetrante Zirpton enthält dies Aufeinander-Abgestimmtsein alles Lebendigen nicht mehr. So fern und fein er anfänglich war, er tut weh. Du spürst, daß er auch in dir etwas zerschabt, daß es nicht gut wäre, ihn ständig zu hören. Wenn die Axt den Stamm trifft, gibt es einen lebendigen Hall. Jener aber gehört der Geräuschwelt des Roboters an, der das Lebendige äfft und übertreibt, das er ersetzen soll.

Eines Tages, als ich dem Ton nachgehend in den Forst eindrang, entdeckte ich, daß er von gewissen handlichen Motorsägen herrührte, mit denen auch die mächtigsten Bäume unverhältnismäßig rasch niedergelegt werden können. Hier in der Nähe war das Zirpen ein gefräßiges Jaulen, Entfesselung einander überschneidender Wehlaute, die in ein störrisches Orgeln absackten, sooft das Ding von seinem Opfer ließ. Die Männer, die es hielten, wurden davon geschüttelt. Unter seinen Schreien schien die Welt ertaubt und leer, wie fortgezogen. Beklommen denkst du, dies Qual-Tönende sei von Höllenart. Und als wärest du ihrem Rand unversehens zu nahe gekommen, wünscht du dich weit fort.

Aber schon hat es dich überfallen und gebannt, daß die Welt dort, wo du stehst, wirklich leer geworden ist Seit vielen Jahren kenne ich den Wald in all seinen Geräumten. Die Schonungen, die so lange brauchten, um vom Boden und dem winterlichen Schneedruck freizukommen, und die eines schönen Frühjahrs dich doch für immer unter sich gelassen haben, kleiner Menschenbusch! Und die alten ehrwürdigen Bestände, aus Kiefern, Buchen und weitästigen Fichten gemischt, in denen der Wind harfte zur Sommerszeit und über denen die Bussarde schreiend ihre Kreise zogen, noch im vergangenen Jahr.

Da liegen sie, die Riesen alle, zu Boden gestreckt, in abgemessene Strünke zersägt, entrindet bereits, liegen sie auf einem Lotterbett von zerknickten Zweigen und grün duftenden Nadeln, und ein Gefährt aus Raupenbändern holpert zwischen ihnen umher und zwingt sie, vor und zurück, mit Ketten auf einen Haufen zusammen. Nur einzelne hohe Samenbäume sind über der Wüstenei stehengeblieben, eine Buche da und dort, dazu einige Kiefern, die wie Wedel aussehen und auf einmal viel zuviel Luft um sich haben.