In allen Besatzungszonen entstehen in der Bewältigung des wirtschaftlichen Fremdenverkehrs von Monat zu Monat steigende Schwierigkeiten. Mit den Versuchen der deutschen Industrie und Wirtschaft, wieder Geschäftsverbindungen anzubahnen, ist auch ein Ausbau des geschäftlichen Reiseverkehrs verbunden, der zumindest in den Großstädten nicht bewältigt werden kann. Die Städte machen erhebliche Anstrengungen, um diese Schwierigkeiten zu beheben. So hat zum Beispiel Leipzig schon seit Jahresfrist im Hauptbahnhof einen Zimmernachweis geschaffen, der selbst noch in den späten Abendstunden dem fremden Reisenden eine Übernachtungsmöglichkeit in einem Hotel oder einer Privatwohnung vermittelt! Hamburg, das durch den Verlust zahlreicher Hotels durch Kriegsschäden und Beschlagnahme besonders benachteiligt ist, wird jetzt das Passagierschiff "St. Louis" als Hafenhotel und einen Großbunker als Bahnhofshotel einrichten, Außerdem wird die Besatzungsmacht ein Hotel für den Zivilreiseverkehr freigeben.

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Anläßlich einer Versammlung des Landesverbandes Württemberg-Baden des Hotel- und Gaststättengewerbes trafen erstmalig die Mitglieder der Fremdenverkehrsgewerbe der drei Länder der US-Zone zusammen, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Aus den Verhandlungen sind die Begrüßungsworte von Oberbürgermeister Klett, Stuttgart, hervorzuheben, der auf die Bedeutung der Gaststätten- und Beherbergungsbetriebe für einen reibungslosen Ablauf der Wirtschaft hinwies. In den ausgebombten Städten biete die Unterbringung des wirtschaftlichen Fremdenverkehrs größte Schwierigkeiten, und er wisse sich mit den übrigen Oberbürgermeistern einig, daß die Vergrößerung der Bettenzahl zu den vordringlichsten Aufgaben der Stadtverwaltung gehört. Anschließend sprach Dr. Naupert, Heidelberg, über die volkswirtschaftliche Bedeutung des Gaststätten- und Beherbergungsgewerbes, dem neue Aufgaben gestellt seien.

Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand ein Vortrag des Leiters des Instituts für Betriebswirtschaft des Fremdenverkehrs Heidelberg, Diplomkaufmann Dr. Rudolf Falk, über die Betriebswirtschaft des Fremdenverkehrs in Gegenwart und Zukunft. Die Gegenwartsprobleme sind verschieden, je nachdem, ob es sich um beschlagnahmte, freie Betriebe oder ausgebombte Betriebe handelt. Die Sicherstellung wirtschaftlich ausreichender Entschädigungen ist bei beschlagnahmten Betrieben das Zentralproblem, dessen Lösung durch die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen in den einzelnen Zonen erschwert wird. Es ist damit zu rechnen, daß diese Betriebe noch auf Jahre ihrer eigentlichen Bestimmung entzogen sind. Bei den ausgebombten Betrieben stehen die Entschädigungen für Sach- und Nutzungsschäden und die Beseitigung von Teilschäden an der Spitze, während die Frage der Zinszahlung an die Realgläubiger auf der andern Seite die Betroffenen bedrängt. Trotz aller Schwierigkeiten müsse aber der Wiederaufbau des Gewerbes in Angriff genommen werden, wobei die Erfahrungen der Vergangenheit auszuwerten seien.

Abschließend, fanden eingehende Besprechungen zwischen Vertretern der drei Länder der US-Zone und Vertretern der britischen Zone statt, an denen für den Zonenverband Präsident Onken, Hamburg, und Dr. Blotekamp Düsseldorf, teilnahmen. G. P.