Vom 9. September 1945 bis zum April 1946, wo * er durch einen Kontrollrat mit amerikanischen, englischen, chinesischen und russischen Mitgliedern in seinen Entscheidungen behindert wurde, war Mac Arthur der unbeschränkte-Herr Japans.

Er hat allerdings zugegeben, daß der unvorstellbar große Glaube an den Tenno die schwere Aufgabe der Liquidierung des Krieges ermöglichte. Der Tenno befahl die Übergabe, und nach seinem Befehl gingen vier Millionen Soldaten ohne Zwischenfälle nach Hause. Zum ersten Male in der langen Geschichte Japans hat ein Feind seinen Böden nicht nur betreten, sondern auch fast alle Institutionen einer tausendjährigen Tradition zum Einsturz gebracht. Zuerst hatte die Besatzungmacht die bestehende Regierung nach den Anordnungen Präsident Trumans für die Durchführung ihrer Anordnungen benutzt ("use bat not support"), dann aber brachte die Reinigung des Verwaltungsapparates die erste Krise, der nun laufend neue gefolgt; sind.

Die Presse Amerikas ist daher über die Entwicklung des Aufbaues und mehr noch des Umbaues enttäuscht. Der Shintoismus ist als Staatsreligion abgeschafft und damit der offizielle Kaiserkult Damit ist nicht gesagt, daß der überwiegende Teil des japanischen Volkes den Tenno nicht weiter als Gott betrachtet, und viele Amerikaner geben zu, daß nur sein noch immer mythischer Glanz vieles noch immer zusammenhält. Die weitere Entwicklung der japanischen Wirtschaft wird durch zwei Sofortmaßnahmen der Besatzungsmacht entscheidend beeinflußt werden. Beide Maßnahmen sind mehr politischer als sozialer Art Es handelt sich um die Auflösung der großen Familienkonzerne und die Durchführung der Landreform. Von den großen Familiensyndikaten sind die der Mitsui und Mitsubishi auch in Europa bekannt. Mit der Schließung der Hauptbanken, der Wegführung der Devisen und der Sperrung der Guthaben der 200 führenden Firmen ist die Macht der großen Finanzgeschlechter zunächst gebrochen. Es ist bei Landeskennern noch sehr, umstritten, ob der Einfluß dieser alten Familien jemals eliminiert werden kann und ob die Ausschaltung überhaupt klug ist. Diese Familien sind mit dem gesamten. Wirtschaftsleben so verflochten, daßihre Ausschaltung die Einführung eines neuen Wirtschaftssystems erfordern würde. Damit würde der Wiederaufbau in Japan – auch in den zerstörten Städten ist dort so gut wie nichts getan – um Jahre verzögert werden.

Die Vernichtung der Familienkartelle würde den Bestand aller privatkapitalistischen Unternehmungen • gefährden und den Befürwortern eines Staatskapitalismus oder Vergesellschaftungen auf genossenschaftlicher Grundlage helfen.

Die Landreform war fester Bestand aller japanischen Parteiprogramme. Die Hälfte des gesamten landwirtschaftlich genutzten Landes gehört vorwiegend dem Adel, der bis zu 60 Prozent des Ertragswertes als Rente einzieht. Die meisten Landwirte sind Pächter, die selbständigen Bauern haben im Mittel 2,6 acres (0,9 ha), ein Viertel der landwirtschaftlichen Bevölkerung muß mit einer Betriebsgröße von 2 Morgen auskommen. Verschlimmert wird die Situation noch durch die Rückführung aller Auslandsjapaner, deren Ansetzung die Durchschnittsgrößen der Betriebe weiter verringern müßte. Der landwirtschaftlich genutzte Boden Japans ist nicht mehr zu erweitern, Siedlungsland besteht weder für die Rückkehrer noch für den ländlichen • Nachwuchs aus einem jährlich mit 800 000 bezifferten Geburtenüberschuß.

Noch mehr als bei der Landreform stoßen sich in der Frage der Zukunft von Japans Industrie die Gedanken und Tatsachen. Der Verlust der stark als Rohstoffkammern ausgenutzten Außenbesitzungen wird Japan zu verstärkter Ausfuhr zwingen, um seine 80 Millionen nicht verhungern zu lassen. Gewerkschaften und die "Bill of Rights" haben zu Lohnerhöhungen geführt und damit die Dumpingpreise unmöglich gemacht, durch die der weite Absatz japanischer Waren ermöglicht wurde. Die Einfuhr von Rohstoffen für die Textilerzeugung ist minimal, die Zahl der Spindeln in den Werken beträgt nur noch ein Viertel des Standes von 1938, und die Seidenproduktion wird die Kriegsumstellungen erst in einigen Jahren überwunden haben.

Die Hauptfrage über die Wirtschaftspolitik ist, ob man Japans Industrie nur für die Deckung eines Existenzminimums ausbauen solle, was in Japan das Ende des Glaubens an den Wert der Demokratie bedeuten würde, oder ob man einer Ausdehnung des Industriepotentials über den Vorkriegsstand das Wort reden solle.