Das Schicksal Deutschlands liegt in den Händen der vier Großmächte, die über seine Zukunft die grundlegenden Beschlüsse fassen werden. Jetzt hat England durch den Mund seines Außenministers Bevin die Politik seines Landes gegenüber den noch in der Schwebe befindlichen Problemen verkündet. Es sind nicht nur Bevins und des Ministerpräsidenten Attlee Gedankengänge, die mit dieser offiziellen Erklärung bekanntgegeben wurden, sondern grundsätzlich stimmt ihnen der Führer der Opposition, Churchill, zu, und auch mit Überzeugungen von Traman und Byrnes, den Leitern der amerikanischen Außenpolitik, stehen sie im Einklang. Diese fünf angelsächsischen Staatsmänner sind sich dessen voll bewußt, daß die Lage in Europa ernst ist und daß Deutschland so bald wie möglich wieder auf eigene Füße gestellt werden muß

In der Bevinschen Außenpolitik sind es drei Kardinalpunkte. die für Deutschland bedeutsam sind:

Vorbereitung eines Friedensvertrages für Deutschland, in dem die Ost- und Westgrenzen geregelt werden

die Schaffung einer deutschen Zentralregierung,

die ernste Sorge, daß Deutschland nicht zu einem ewigen Notstandsgebiet im Herzen Europas wird.

Hinsichtlich der Westgrenze neigt der englische Außenninister dazu, Frankreich die Wirtschaftliche Eingliederung des Saargebiets zuzubilligen unter der Voraussetzung, daß die deutschen Reparationsleistungen an Frankreich einer Revision unterzogen werden. Eine Abtretung des Rhein- und Ruhrgebiets kommt nicht in Frage. Was die deutsche Ostgrenze anbetrifft, so erklärt Bevin daß in den ausgedehnten Gebieten, die zurzeit von den Polen besetzt sind, unter keinen Umständen eine Wildnis entstehen darf, aus der die Deutschen ausgeschlossen sind, während die Polen nicht einmal – in der Lage sind, diese Gebiete zu bevölkern.

Sehr viel präziser sieht Bevins Programm für die deutsche Regierungsform aus. "Die deutsche Verwaltung soll sobald wie möglich dezentralisiert werden Ein neues Land, Nordrhein-Westfalen, ist gebildet worden. Es ist beabsichtigt, aus dem Rest der britischen Zone zwei weitere Länder, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, zu bilden. Hamburg und Bremen werden von diesen Neuordnungen vorläufg nicht betroffen werden, für die fernere Zukunft schwebt ans eine deutsche Verfassung vor, die die Extreme eines losen Bundes autonomer Staaten und eines zentralisierten Einheitsstaates vermeidet. Gewisse Fragen sollten ausschließlich der Zentralgewalt vorbehalten bleiben, und die Länder müssen für die übrigen Fragen ausschließlich zuständig sein."