In dem überwältigenden Sieg der Berliner Sozial-Demokraten, die bei den Stadtratwahlen nahezu 50 v. H. aller Stimmen erhielten, spiegelt sich der Dank der Bevölkerung wider für den Mut und die Standhaftigkeit, mit der diese Partei, gegen Terror und Verbot ankämpfend, sich der zwangsweisen Vereinigung mit der SED widersetzt hat. Wer die entschlossene Zustimmung erlebt hat, mit der die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung diesen Kampf für politische Freiheit und echte Demokratie verfolgte, einen Kampf, der von Funktionären und aktiven Mitgliedern die Bereitschaft verlangte, für ihre Überzeugung nicht nur Beruf und Einkommen, sondern auch die persönliche Sicherheit aufs Spiel zu setzen, der konnte niemals daran zweifeln, daß die Wahlen so ausfallen würden, wie es geschehen ist.

Die SED hatte mit Hilfe ihrer Blockleiter alles aufgeboten, um dieses Ergebnis zu verhindern. Der seelische Druck war organisiert. Eine Reihe von Angestellten öffentlicher Betriebe, die nicht der SED angehörten, erhielten vor der Wahl die schriftliche Mitteilung, daß von "hoher Hand" ihre Dienstentlassung verfügt sei Es wurde erklärt, daß die deutschen Kriegsgefangenen, aus Rußland nur zurückkehren dürften, wenn der Wahlsieg der SED zufiele. Angehörige von Kriegsgefangenen erhielten Postkarten aus russischen Lagern, die ersten Postkarten, die in angemessener Zeit ankamen, und auf denen stand: "Du wirst selbstverständlich SED wählen." Die Wahl war geheim. Daher erreichte in vielen Bezirken die Summe der Stimmen, die für die SED abgegeben wurden, nicht einmal die Zahl der eingeschriebenen Mitglieder. Vor der Wahl waren im russischen Sektor Sonderzuteilungen von Lebensmitteln ausgegeben worden. Berlins Bevölkerung wählte Freiheit an Stelle von Brot.

Nach der Wahl fiel die Maske – auf die Stimmung der Bevölkerung brauchte keine Rücksicht mehr genommen zu werden –, die Demontagen wurden verstärkt und wahllos eine große Anzahl der wichtigsten Fabriken beschleunigt nach Rußland gebracht. Die Sowjetregierung hat vor kurzem ihren hartnäckigen Widerstand gegen eine gleichmäßige interalliierte Kontrolle hinsichtlich der Fabrikation von Kriegsmaterial in allen vier Zonen aufgegeben. Was damals überraschend klang, findet so seine Erklärung. Zwei Tage nach der Wahl setzten "schlagartig" Massendeportationen von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Arbeitern nach Sowjetrußland ein. Der Abtransport erfolgte nach einwandfreier Feststellung auf Befehl, ohne vorherige Befragung der Betroffenen. Herr Matern indes, der Vorsitzende des Berliner Landesverbandes der SED, erklärte: "Das ist nicht weiter schlimm. Ob Ost oder West – die Hauptsache ist, daß es auf vertraglicher Basis geschieht." In Berlin wird darüber geklagt, daß von den Verschleppungen in erster Linie Funktionäre und bekannte Mitglieder der SPD, CDU und LDP betroffen worden sind.

Der amerikanische Ankläger im Nürnberger Prozeß, Robert H. Jackson, hat in einer Rede vor der Universität Buffalo vor kurzem erklärt: "Deutschland ist nicht das einzige Land, das diese Methoden (Massenverfolgung von Minderheiten, blutige Unterdrückung aller Opposition) durchgeführt hat, um sich an der Macht zu halten. Opposition ... gegen bestehende Regierungssysteme wird heute in großen Teilen von Osteuropa das gleiche Schicksal erleiden wie früher in Deutschland ... Es ist dringend nötig, daß die Staatsmänner dort beginnen, zwo die Richter in Nürnberg aufgehört haben."

Es ist uns berichtet, daß zu dem Gerichtshof der UN auch Nichtmitgliedstaaten zugelassen werden können. Wir haben keine deutsche Regierung, die für uns handeln könnte. Wir hoffen jedoch, daß die großen Staatsmänner der Westmächte, die das Schicksal Deutschlands in die Hand genommen haben, uns vertreten werden. Das Recht ist unteilbar. Weil dieser heilige Grundsatz von Hitler verletzt wurde, ist die Menschheit in eine entsetzliche Katastrophe gestürzt worden.