Um die Verwaltung und die weitere Entwicklung in der Sowjetunion wieder fester an die kommunistische Generallinie zu binden, hat der Kreml in den letzten Wochen einen erheblich schärferen Kurs eingeschlagen. Der Kritik westlerischer Tendenzen in Literatur und Kunst, besonders auch im Film, und der Kritik am Kolchosenprinzip folgt jetzt eine amtliche Kritik an der Produktionsentwicklung der sowjetischen Werkzeugmaschinenindustrie, Autoindustrie und Leichtmetallindustrie. Die beiden maßgebenden Sowjetorgane "Prawda" und "Isvestija" richten heftige Angriffe gegen die Industrieverwaltung. Im Mittelpunkt dieser amtlichen Sowjetkritik steht die urkrainische Traktorenfabrik Charkow, die seit der Befreiung im Jahre 1943 bisher nur 2000 Traktoren herstellte. Man wirft der Industrieverwaltung vor, daß sie sich als unfähig erwiesen habe, das Problem der Rückführung der Kriegswirtschaft zur Friedenswirtschaft zu lösen.

Eine weitere scharfe Kritik richtet-sich, gegen die Verwaltung der Bauwirtschaft. Während in Weißrußland binnen einem Jahre 200 000 Häuser wiederhergestellt wurden, werden heute keine besonderen Quoten erreicht. 50 000 Familien leben in dem zerstörten Minsk noch in Erdhütten; weitere 70 000 Familien dieses Bezirks sind in andern Häusern zusammengepfercht. Es konnte nur ein Zehntel der Ziegelproduktion erfüllt werden; von 350 Ziegeleien arbeiteten in diesem Sommer nur zehn. Daher mußte die UNRRA-Mitteilung, daß mit dem Jahresende die Materiallieferungen an die Ukraine aufhören, alarmierend wirken. Nach den bisherigen Erfahrungen dürften dieser amtlichen Sowjetkritik drakonische personelle und sachliche Veränderungen folgen. W.