Hall Hibbard, der Vizepräsident der Lockheed Aircraft Corporation, hat vor kurzem in der Kalifornischen Universität die Möglichkeit eines künftigen Fluges über die Erdatmosphäre hinaus Im den luftleeren Raum dargelegt. Den Zugang so diesem Raum kann natürlich keine der bisher für Flugzeuge gebräuchlichen motorischen Kräfte gewähren, sondern er wird erst möglich, wenn die Luftschichten, in denen wir atmen, durchstoßen werden kraft der "jet propulsion", des durch Explosion bewirkten Wurfs.

Man stelle sich eine mit Leuchtgas gefüllte Kugel Tor; sie enthält einen Zündkegel und eine Öffnung in der Oberfläche. Sobald sich das Gas durch den Zündkegel entzündet, entsteht durch die Explosion sine plötzliche Steigerung des Gasdrucks innerhalb der Kugel. Die Druckkräfte heben sich auf außer denjenigen, die auf der Kugelfläche genau der Öffnung entgegengesetzt wirken; hier besteht ein unbedingter, ein positiver Druck. Auf der anderen Seite aber, wo die Gase entweichen können, ist der Druck gleich Null. Ergebnis: die Kugel wird in die Richtung des positiven Drucks getrieben – fort von der Öffnung.

Dieses Prinzip wurde bisher schon bei drei Modellen des Flugzeugs angewendet: beim Raketenmotor, vorbildlich für die deutsche V II, die mit einer Geschwindigkeit von 2500 Stundenmeilen flog und Höhen von über 60 Meilen erreichte. Die zweite Form saugt Luft nach innen und mischt sie zwecks Verbrennung mit dem Treibstoff, dieses Prinzip benutzt die Lockheed P-80 "Shooting Star" (schießender Stern), das größte bisher gebaute Flugzeug, das sich zwar auf die Erdatmosphäre beschränken muß, aber Höhen erreicht, die dem normalen Flugzeug nicht zugänglich sind. Der dritte Typ kombiniert den üblichen, jedoch durch eine Gasturbine angetriebenen Propeller mit dem Wurfprinzip, das übrigens, wie der Redner voraussagte, innerhalb von zehn Jahren für jede Art Flugzeug verwendet werden wird.

Das so konstruierte Flugzeug wird mit 763 Stundenmeilen, also schneller als der Ton, reisen. Doch erhebt sich bereits bei dieser Geschwindigkeit das Doppelproblem des Luftwiderstandes und der Luftreibung. Bis 400 Meilen ist der Widerstand nicht erheblich, danach steigt er an und erreicht beim Grad der Tongeschwindigkeit einen Höhepunkt. Sei höheren Geschwindigkeiten aber wird sich der Luftwiderstand rasch vermindern und bei 1300 Meilen leicht überwindbar sein. Von da an (genau bei 1500 Meilen) jedoch ist die Reibungswärme so groß, daß Menschen in solch einem Flugzeug nicht leben könnten, und ausreichende Kühlanlagen würden zu schwer sein.

Der Ausweg: durch die Wurfprojektion aus der Atmosphäre hinaus in luftleeren Raum vorzu-’ stoßen. Nach diesem Prinzip gab es für die deutsche Messerschmitt 163 B keine Höhengrenze; sie konnte, nachdem die Kabine des Flugzeugführers dem Luftdruck angepaßt und der notwendige Treibstoffvorrat gesichert war, aus der Erdatmosphäre herausstoßen. Doch konnte sie sich, die vor der Konstruktion der Lockheed P-80 das schnellste Flugzeug war, allerdings nur 15 Minuten in der Luft halten. Diese Konstruktion war ein Anfang, kein Ende. Kraft dieser motorischen Gewalten werden Transporte mit Geschwindigkeiten gelogen werden können, die die Fortpflanzung des Tones überbieten. Sollte noch größere Schnelligkeit erforderlich werden, so würden sie durch Raketenabschuß in die Substratosphäre möglich werden, wo dann 100 000 Stundenmeilen erreichbar wären, sagt Hall Hibbard. BP.