Die Hambros-Bank hat unter Mitwirkung von Morgan Grenfell und Rothschild der Union Financiere d’Entreprises Françaises et Etrangeres, einer vorwiegend von den Gruppen Schneider und Worms (unter Führung der Union Europeenne Industrielle) gegründeten Rohstoffirma, einen sich selbst abwickelnden Rohstoffkredit von einer Mill. Pfund gewährt. Die City wird also wieder aktiv und gibt, wie früher schon der Tschechoslowakei, nun auch Frankreich eine Hilfestellung. Die Bereitwilligkeit, Frankreich zu helfen, hatte Großbritannien schon kurz vorher, gezeigt, als es die Rückzahlung der bis März 1949 fälligen französischen Schulden von 105 Mill. Pfund auf die Jahre 1950 bis 1961 hinausschob und den Zinssatz auf 1/2 v. H. ermäßigte. Das alles ist bei dem großen Kapitalbedarf Frankreichs, das ja auch bei der Weltbank eine Anleihe von 500 Mill. Dollar nachgesucht hat, eine wirkliche Unterstützung und auch deswegen beachtenswert, weil gleichzeitig die Angriffe aus Kreisen der City gegen den Franken verstummt sind.

Von London aus ist gegen den Franken in den letzten Jahren oft "geschossen" worden. In Paris hat man, wie stets, bitter und scharf reagiert, als die Angriffe vor einigen Wochen wieder aufgenommen wurden und dabei eine Abwertung des Franken (gegenüber dem Pfund) von 480 auf 1000 in Vorschlag kam. Eine solche Parität wäre ein empfindlicher Prestigeverlust für das einst so finanzkräftige Frankreich. Die alte Parität, vor 1914, war 25,22 Franken für ein Pfund. Zwischen den beiden Kriegen gab es zunächst eine Stabilisierung auf 124,21. Nach der Abwertung des Pfundes und der des Franken einigte man sich auf eine "Kriegsparität" von 175,50. Während der Besatzungszeit wurde der Kurs auf 200 heraufgesetzt, am 25. Dezember 1945 auf 480. Die Engländer rechtfertigten ihren Vorschlag einer weiteren Abwertung auf 1000 mit den inflationistischen Tendenzen in Frankreich, also mit dem Anziehen der Preise, verstärkt neuerdings durch die Lohnerhöhungen. So sind die Groß- und Kleinhandelspreise gegenüber 1938 kennzahlmäßig auf über 700 gestiegen. Zweitens kann man die inflationistischen Gefahren aus der ständigen Zunahme des Notenumlaufes auf 655 gegen 487 Milliarden vor einem Jahr ablesen, und diese wiederum ist auf die Deckung des Haushaltsfehlbedarfs durch die Noten – presse zurückzuführen. Drittens spiegelt das Anziehen der Preise am Schwarzen Markt, vor allem für Gold und Devisen, die Gefahrenlage wider.

Von französischer Seite wird die Berechtigung dieser Argumentation nicht abgestritten. Preiserhöhungen gelten als Feind Nr. 1 und werden immer wieder angeprangert, müssen aber anderseits bewilligt werden, so kürzlich für die Automobilindustrie, weil die Kosten einen zu starken Auftrieb aufweisen, und die Erwartung einer Kostensenkung durch Mehrprodukten sich als Illusion erwiesen hat. Die währungspolitischen Konsequenzen dieser Entwicklung will aber Frankreich nicht ziehen. Von französischer Seite kann man mit Recht darauf hinweisen, daß der intervaluterische Kurs nicht nur durch die Kaufkraftparitäten bestimmt wird, vor allem nicht in der gegenwärtigen Zeit, sondern insbesondere auch durch das politische Wollen. Die Regierung will den Franken halten. Erklärungen des Ministerpräsidenten Bidault und des Finanzministers Robert Schuman lassen darüber keinen Zweifel. Diese Verlautbarungen haben die Kreise der City verstummen lassen, die noch vor kurzem offen eine Frankenentwertung vorschlugen. Ob aber damit die Frage endgültig beigelegt ist, möchten wir bezweifeln. Der Franken befindet sich infolge der inflationistischen Kräfte in einer kritischen Lage. Soll er gehalten werden, dann genügt der politische Wille nicht. Erforderlich ist vor allem eine umfassende Produktionssteigerung. Die Kredithilfe der City bedeutet hier eine materiell zwar nur bescheidene, aber politisch sehr beachtliche Stütze. drgr